Archiv « [Gruppe ISKRA] ::: Die Vernichtung des Nazismus mit all seinen Wurzeln ist unsere Losung.

Archiv der Kategorie 'Frankfurt (Oder)'

Veranstaltungen von Utopia im November

(iskra) An dieser Stelle dokumentieren wir drei Veranstaltungshinweise für zwei Vorträge und einen Stadtrundgang zur Thematik Rechtsextremismus, veranstaltet von Utopia e.V. Über eure Teilnahme und die Weiterleitung der Termine wären wir erfreut.

*17.10.2009 (Samstag) – Antifaschistisches Stadtrundgang
- 11:00-13:00 Uhr, Synagogengedenkstein Frankfurt (Oder)
- Stadtrundgang „Auf den Spuren nationalsozialistischer Judenvernichtung in Frankfurt (Oder)“ anhand der Stolpersteine

*20.10.2009 (Dienstag) – Vortrag und Diskussion
- 18:00-20:00 Uhr, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), AM 103
- „Die extreme Rechte im Land Brandenburg“ und „Rechtsextremismus in Frankfurt (Oder)“

*27.10.2009 (Dienstag) – Vortrag und Diskussion
- 18:00-20:00 Uhr, Utopia e.V., Kontaktladen, Berliner Straße 24, Frankfurt (Oder)
- „Rechte Propaganda im Kontext öffentlicher Diskurse“

Thor Steinar Geschäft in Frankfurt (Oder) endgültig geschlossen

(argffo) Frankfurt (Oder) – Nachdem das umstrittene Geschäft „Rabennest“ in der Dresdener Straße in Frankfurt (Oder) bereits am 18. April 2009 offiziell den Betrieb eingestellt hatte, ist seit Anfang Mai nun auch das komplette Ladengeschäft geräumt.

Obwohl der Laden schon offiziell geschlossen war, konnten noch weiter über einen telefonischen Kontakt zur Ladeninhaberin Kora Krupke, Waren der Marken Thor Steinar sowie Eric & Sons bezogen werden. Über eine im Schaufenster des Geschäfts ausgehangene Telefonnummer war es möglich kurzfristig einen Termin mit ihr zu vereinbaren. Am Telefon versicherte sie, dass der Ladenbetrieb weitergehe und das Geschäft nur vorübergehend geschlossen sei. Da nun die Ladenräume komplett leergeräumt sind, ist jedoch davon auszugehen, dass dies nicht der Fall ist.

Ob Kora Krupke oder mögliche GeschäftspartnerInnen, nach dem 3. gescheiterten Anlauf noch einmal versuchen werden, Nazikleidung an einem anderen Ort in der Stadt zu verkaufen, ist unbekannt. Dies gilt es weiter wachsam zu beobachten.

Bevor der Laden in die Dresdener Straße zog, war er bereits unter dem Namen „Nordic Company“ am Bahnhof und in der Lindenstraße ansässig. Das Geschäft vertrieb vor allem Mode der rechten Marken Thor Steinar und Eric & Sons und war deshalb mehrfach in die Kritik geraten. Neben der antifaschistischen Recherchegruppe Frankfurt (Oder) hatten sich auch die Interessengemeinschaft Beresinchen und die Plattform gegen Rechts für eine Kündigung des Geschäfts eingesetzt.

Der Grund für die Aufgabe des Ladens ist derzeit unbekannt. In der Vergangenheit war es mehrfach zu Sachbeschädigungen an dem Geschäft gekommen.

Zum Weiterlesen:

Antifaschistische Recherchegruppe Frankfurt (Oder): Rechter Szeneladen mit neuem Domizil in Frankfurt (Oder)

Erneut Ladengeschäft mit Neonazi-Mode in Frankfurt (Oder)

(PgR) Nachdem in der ersten Jahreshälfte vor dem Hintergrund breiter Proteste ein Ladengeschäft, das unter anderem die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke Thor Steinar am Bahnhofsvorplatz anbot, nach Kündigung des Mietvertrags die Türen schließen musste, eröffnete Anfang November ein Bekleidungsgeschäft unter dem Namen „Rabennest“ in der Dresdener Straße. Auch wenn die Schaufensterdekoration den Eindruck erweckt, hier würden nur normale Textilien verkauft, so findet die Kundschaft im Inneren auch die in rechtsextremen Kreisen beliebte Marke Thor Steinar. Die Betreiberin des Geschäfts scheiterte mit ihrem Laden auf dem Bahnhofsvorplatz und versucht weiterhin den Eindruck zu erwecken, ihr Interesse bestehe einzig im Angebot von Textilien, eine politische Meinung sei bei ihr nicht im Angebot, war einige Zeit einem Aushang im Schaufenster zu entnehmen.

Der Verkauf der Marke Thor Steinar ist allerdings als eindeutiges Indiz zu werten, dass hier eine bestimmte Szene versorgt werden soll, die rechtsextremistischem Gedankendgut nahe steht und dies verbreiten will.

Vor diesem Hintergrund fordert die Plattform gegen Rechts Frankfurt (Oder) den Vermietr des Ladengeschäfts auf, den bestehenden Mietvertrag umgehend zu kündigen. Gleichzeitig ruft die Plattform gegen Rechts alle Brügerinnen und Bürger, Vereine, Verbände und Verantwortliche in der Stadtverwaltung zum wahrnehmbaren Protest gegen diesen neuen Etablierungsversuch rechtsextremer Kreise auf. Nur ein gemeinsames und vielfältiges vorgehen der demokratischen Kräfte kann die weitere Ausbreitung rechtsextremistischer Weltanschauung verhindern.

Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft

(iskra) An dieser Stelle dokumentieren wir einen Veranstaltungshinweis für den 19. November. Die Lesung beginnt um 18 Uhr in der Europa-Universität Viadrina, Audimax Raum AM 03, Logenstr. 2, Frankfurt (Oder).

Gegen die NPD! „Es lesen Andrea Röpke und Andreas Speit aus dem im Ch. Links Verlag erschienen Aufsatzsammlung ‚Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft‘. Die beiden ausgewiesen Rechtsextremismusexperten, die sich seit Jahren mit der Entwicklung der rechtsextremistischen Szene beschäftigen, ermöglichen einen tiefen Einblick in die Entwicklung in den deutschen Rechtsextremismus. Im Zentrum steht hierbei die NPD, die angetreten ist verschiedene Strömungen zu bündeln und vielfältige Wahlerfolge in den vergangenen Jahren verzeichnen konnte.

Die NPD hat in den letzten Jahren nicht nur ihre Mitgliederzahl auf 7.200 verdoppeln können, sie hat sich auch zu einem »Gravitationsfeld« der rechten Szene entwickelt. Ihr Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen hat den Wandel der Partei beschleunigt, aber auch die neue Strategie geht anscheinend auf. Die NPD ist dabei, einen Imagewandel zu vollziehen. Sie will bürgernah und jugendgemäß erscheinen, setzt auf Professionalisierung und Modernisierung der Partei, praktiziert eine veränderte Bündnispolitik sowie eine gezielte Einbindung rechter Milieus und hat verstärkt soziale und regionale Themen auf der Agenda.

Sozial, national, radikal – das ist der Dreiklang, mit dem die NPD populistisch auf Stimmenfang geht. Intellektuelle »Neue Rechte«, rhetorisch geschult, statten sie mit Programmen und Argumenten aus. Kommunalpolitische Aktivitäten und gemeinnütziges Engagement der Mitglieder sollen die Ausgrenzung unterlaufen und gesellschaftliche Akzeptanz schaffen.

Ohne einen Blick in die verdeckten Strukturen der Partei sind die strategischen Veränderungen der letzten Jahre nicht zu verstehen. Die Autoren dieses Bandes – alle ausgewiesene Kenner der extrem rechten Szene – legen diese Strukturen offen. Andreas Speit schaut sich die neue Generation der Kader an, betrachtet die parlamentarische Arbeit der NPD, Wahlkampfstrategien und das Netzwerk der Unterstützer. Andrea Röpke geht in ihrem Beitrag der Frage der Finanzierung der NPD nach, benennt Hintermänner und finanzkräftige Sponsoren, legt Immobiliengeschäfte offen und beschreibt den Aufbau eigener Wirtschaftsnetzwerke.
Kaum zu übersehen ist, dass immer mehr Frauen und Mädchen rechte Politik aktiv mitgestalten. 2006 wurde der Ring nationaler Frauen gegründet. Was es damit auf sich hat, schildern die Autoren Röpke und Speit.
Doch nicht nur die Frauen, ganze Familien der Kameraden sollen in die politische Arbeit eingebunden werden. Die Heimattreue Deutsche Jugend, die im Stil der verbotenen Wiking-Jugend arbeitet, agiert bundesweit und bietet Lager und Schulungen für Kinder und Jugendliche an.
Über den Schulterschluss der NPD mit der Rechtsrock-Szene schreiben Christian Dornbusch und Jan Raabe, Robert Andreasch hat die Entwicklung der NPD in Bayern verfolgt, und Thomas Niehoff berichtet von rechten Gewalttaten, schlampig geführten Ermittlungen und über die Arbeit von Opferberatungsstellen und Präventionseinrichtungen.

Andrea Röpke und Andreas Speit, die bereits 2004 das Buch »Braune Kameradschaften – Die neuen Netzwerke der militanten Neonazis« vorlegten, gehören zu den wenigen Journalisten, die verdeckt auch immer wieder innerhalb der Szene recherchiert haben, sie waren Drohungen und tätlichen Angriffen ausgesetzt. Sie haben so aber auch eine unübertroffene Kenntnis von internen Vorgängen in der NPD und scheuen sich nicht, Täter, Unterstützer und Sympathisanten beim Namen zu nennen.“

Aktionsmonat Flüchtlingspolitik noch bis 30. November

(iskra) Seit dem 10. November veranstaltet Utopia e.V. eine Veranstaltungsreihe unter dem Motton „Aktionsmonat Flüchtlingspolitik“ in Frankfurt (Oder). Diese läuft noch bis zum 30. November und bietet viele Möglichkeiten, um sich mit dem Rassismus in Deutschland und Europa näher auseinander zu setzen.

Aktionsmonat Flüchtlingspolitik

„Es handelt sich dabei um eine Veranstaltungsreihe, die verschiedene Aspekte der Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten näher in den Fokus rücken soll. Beleuchtet werden dabei der Alltag von Asylbewerbern, ebenso wie staatliche Institutionen und gesellschaftlicher Rassismus.

Kernstück des Projektes ist die multimediale Ausstellung „Flüchtlingsleben in Frankfurt (Oder)“, die kostenlos vom 11.11.2008 bis 01.12.2008 täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr im Foyer des Kleist Forums Frankfurt (Oder) zu sehen ist. Angeboten werden, mit vorheriger Anmeldung, auch begleitende Führungen (z. B. von Schulklassen)

Des Weiteren wird es diverse Filmvorführungen, Diskussionen und andere Veranstaltungen rund um die Ausstellung geben.“

Zum Weiterlesen:

Blog: Aktionsmonat Flüchtlichspolitik
Globalprogress: Rassismus aufzeigen. Dagegen agieren. Zusammen. Auf allen Ebenen. Mit allen Mitteln.

Erneuter Überfall auf Antifaschist_innen – Angreifer waren mit Billiardstöcken bewaffnet

(iskra) An dieser Stelle dokumentieren wir die Pressemitteilung von Utopia e.V. zu den Überfällen in Frankfurt (Oder) am Samstag den 08.11.08 in der Berlinerstr. 24:

In der Nacht vom 8.11. zum 9.11.08 drangen Personen aus dem rechtsextremen Umfeld des Fußballvereines FFC Viktoria in das Wohnhaus Berliner Straße 24 ein. Bekannterweise hat dort der Verein Utopia seine Räumlichkeiten. Zunächst verwüsteten die Angreifer den Hausflur, indem sie Plakate von den Wänden rissen und an verschiedenen Stellen Aufkleber der Hooligan-Gruppierung FCV anbrachten. Beim Verlassen des Hauses rissen die Rechtsextremen das Banner des Vereins aus seiner Verankerung. Durch den Lärm alarmiert entdeckten fünf Personen, welche sich zu diesem Zeitpunkt in den Räumen des Vereines aufhielten, eine Spur der Verwüstung, welche sich bis zur Haustür hinzog. Beim Öffnen der Haustür konnte beobachtet werden, wie sich Christopher Perl und eine weitere Person in einem Taxi entfernten. In diesem Moment stürmten aus dem Lokal „Die Bierbar“, die sich in dem gleichen Haus befindet, ca. 15 Personen unter ihnen Patrick Dorn und Christoph Schoefisch. Die Personen waren teilweise vermummt und mit Billiardstöcken bewaffnet. Unter Rufen wie „Scheiß Zecken“ griffen sie die AntifaschistInnen an und verletzten drei von Ihnen.

Zum Weiterlesen:

Autonome Antifa Frankfurt (Oder): Neonazis überfallen Berliner Straße 24

Rechter Szeneladen mit neuem Domizil in Frankfurt (Oder)

(argffo) Der rechte Szeneladen „Nordic Company“ hat in Frankfurt (Oder) neue Räumlichkeiten angemietet und steht offenbar kurz vor seiner Wiedereröffnung. Die Inhaber der Firma „Nordic Company Textilwaren“, die überwiegend Bekleidung der Marke „Thor Steinar“ anbieten, haben einen Mietvertrag für Gewerberäume in der Dresdner Straße 33 im Stadtteil Altberesinchen unterzeichnet.

Inzwischen wurden Arbeiten im Innern des Geschäfts vorgenommen, die auf eine baldige Eröffnung, möglicherweise zu Beginn kommenden Monats, hindeuten.

Der Eröffnung des Geschäfts war eine juristische Auseinandersetzung zwischen „Nordic Company“ und dem Vermieter vorausgegangen. Dieser meldete zwischenzeitlich Insolvenz an, was eine Kündigung des rechten Szeneladens zusätzlich erschwert.

Erst Ende Juli war der rechte Bekleidungsladen aus seinen Räumlichkeiten am Frankfurter Bahnhof ausgezogen, nachdem Proteste zu einer Kündigung des Mietvertrages durch die Deutsche Bahn geführt hatten.

Weitere Informationen über Nordic Company gab es bereits hier. Außerdem informiert die Antifaschistische Recherchegruppe aus Frankfurt (Oder) regelmäßig über rechtsextremistische Umtriebe.

Psychologie & Antisemitismus

Updade: Leider müssen wir mitteilen, dass das für Samstag, den 27.9.2008, geplante Seminar „Psychologie und Antisemitismus“ leider verschoben werden muss. Natürlich informieren wir Euch schnellstmöglich über einen neuen Termin.
Wir bitten alle Interessierten um Entschuldigung. Der Dokumentation halber bleibt die Seminarbeschreibung aber weiterhin auf unserem Blog.

Wer sich der Frage „Was ist Antisemitismus?“ stellt, stößt unweigerlich auf die Bestimmung des Antisemitismus als ideologische und reaktionäre Welterklärung einer undurchsichtigen Gesellschaft. Der Antisemitismus nimmt die Welt als von fremden und bösen Mächten gelenkt war. Wie kommen Menschen darauf, sich die Welt antisemitisch zu erklären? Wie kommt diese Ideologie in die Köpfe der Menschen? Per Manipulation? Die Psychoanalyse bietet tragfähige Erklärungen antisemitischen Denkens. Sigmund Freuds Bestimmung des bürgerlichen Individuums als Unterworfenes des eigenen Unbewußten ist ein Schlüssel zum Verständnis und zur Kritik des
Antisemitismus. Eine Psychoanalyse des Antisemitismus begreift diesen als eine Folge der undurchschauten Psyche. Nicht nur der Weltenlauf, auch die eigene Seele bleibt unverstanden. Aus der Art, wie sich die Individuen psychisch begründen, resultieren die Mechanismen, die antisemitisches Denken provozieren.

Heißt das, man ist gezwungen antisemitisch zu denken? Natürlich nicht, die kritische Beschäftigung mit Antisemitismus ist der erste Schritt gegen ihn vorzugehen – und dazu laden wir herzlich ein:

27.09.2008 | 11 Uhr
Utopia e.V. | Berliner Straße 24
Frankfurt (Oder)

Ein Seminar vom LAK Shalom Brandenburg, organisiert mit freundlicher Unterstützung der Gruppe ISKRA.

Unsere Rede zur Stolpersteinverlegung

(iskra) Im Folgenden findet sich die Rede, welche die Iskra anlässlich der Verlegung weiterer 10 Stolpersteine in Frankfurt (Oder) gehalten hat. Dies fand an der Bergstraße statt, wo mit fünf Steinen Familie Berlowitz geehrt und betrauert wurde (mehr dazu hier).

Sehr geehrte Damen & Herren,

Es ist nicht mehr rückgängig zu machen, auch an diesem Ort fielen Menschen dem nationalsozialistischen Wahn zum Opfer. Deshalb wird hier ein Stolperstein verlegt und Freude sowie Trauer sind bei dieser Verlegung eng beisammen.

Trauer, weil es abscheulich ist, Menschen wegen ihrer jüdischer Herkunft zu quälen und umzubringen.

Und Freude, weil hier an dieser Stelle ein Weg gegangen wird, um dem Vergessen und Verdrängen Einhalt zu gebieten – und damit den Opfern Respekt zu zollen.

Auf diesen Stolpersteinen sind die Namen von Margarete Berlowitz, geboren 1900 und Max Berlowitz zu finden, er kam 1889 zur Welt. Sie lebten zusammen mit Margaretes Mutter Frida Rau hier in der Bergstraße 17.

In der Schmiedegasse 10 & 11 – heute befinden sich dort die Lenné Passagen – betrieben sie das erste Reformhaus Frankfurts.

1924 kam Eugen zur Welt und 1927 ihr zweiter Sohn Julius.

Über Margarete, ihrer Mutter Frida und ihrem Mann Max ist nur sehr wenig bekannt. Wir wissen aber, dass sie 1942 in das heutige Polen deportiert wurden und sie dort wegen ihrer jüdischen Herkunft umgebracht wurden.

Eugen und Julius hatten das große Glück, die Shoa zu überleben. Beide emigrierten: Eugen nach Schweden; er verstarb 1992, und Julius nach Israel, er lebt heute in Tel Aviv.

Und somit bleibt festzustellen: Es ist bedauernswert, dass wir Zeitzeugen verlieren.
Wir hätten Margarete, ihre Mutter Frida, ihren Mann Max sowie ihren Sohn Eugen sehr gerne kennen gelernt.

Und doch haben wir die Chance, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen, z.B. mit Julius Berlowitz.

So kann Erinnerung am Leben gehalten werden, wie auch durch das Projekt Stolpersteine.

Doch diese Stolpersteine sind nicht nur der Erinnerung halber da. Sie vereinen die Familie wieder an diesem Ort, an dem sie einst getrennt wurde. Und sie ehren nicht nur die Toten, sondern auch Menschen wie Julius Berlowitz, die am Leben sind.

Ein Licht ist zu sehen, denn die Familie ist nun wieder beisammen. Doch auch hier mischt sich ein dunkles Gefühl dazu:

Es hat sich zwar einiges verändert, aber nicht grundsätzlich verbessert. Antisemitismus ist noch immer existent und hat sich lediglich den Gegebenheiten angepasst. Offizielle antisemitische Äußerungen sind nur die Spitze des Eisberges. Antisemitische Ideologiefragmente sind in der Gesellschaft weit verbreitet.

Heute erinnern wir deshalb nicht nur, heute müssen wir die Realität erkennen und alle Kräfte einsetzen, um Antisemitismus zu bekämpfen. Dies bedeutet auch, dem Staate Israel nahe zu sein.

Waren es vor der Staatsgründung diverse jüdische Organisationen, die sich antisemitischen Angriffen ausgesetzt sahen, ist es heute auch der Staat Israel.

Sicher, der Nahostkonflikt ist ein anderes Thema, aber doch muss deutlich sein, dass noch immer genügend antisemitisches Vernichtungspotenzial vorhanden ist.

Es ist nicht mehr rückgängig zu machen, aber es kann vieles getan werden, um jeden weiteren Völkermord zu verhindern.

Stadt, Land, Fluss… – Visionen für ein schönes Leben am Arsch der Welt

*Stadt_Land_Fluß...1* Stadt *
„This city is out of control, you better burn this city!“ Städte schrumpfen, Städte wachsen. Alles normal? Mega-Citys, also Städte mit mehr als 15Mio Einwohnern, gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert. Während Städte mit Arbeitplätzen unaufhörlich wachsen, verfallen Städte und Regionen, die der Profitabilität des kapitalistischen Wirtschaftssystems nicht genügen. Regionen werden abgehängt und im Fokus von Regierungsbilanzen stehen Prosperierende Regionen. „Kampf um die Köpfe“ heißt: Berlin gegen Frankfurt und Heidelberg gegen Greifswald. Welche Stadt muss Einwohner verlieren, damit eine andere mehr Einwohner bekommt?! Trotz magerer Wachstumsprognosen hoffen alle Regionen Wachstumsstandort werden zu können. Die Stadt als sozialer Raum verkommt im Wettbewerb um den besten Standort mit den billigsten Arbeitskräften. Die Stadt als Lebensraum muss zurück erobert werden. Demokratie fängt da an, wo Menschen leben.

2* Land **
Spätestens seit Rainald Grebe, der sich „ausgebrandenburgt“ fühlt, ist die Peripherisierung in Flächenländern kein Geheimnis mehr. Gemeint ist damit die zunehmende Konzentration von Menschen in Großstädten und den umliegenden Randgebieten. Dass Wölfe und Braunbären wieder ein Zuhause finden, ist nicht nur in Bayern Realität. Bruno der Braunbär wurde abgeknallt, obwohl es immer mehr Freiflächen in ländlichen Regionen gibt, die bald schon Safariparkatmosphäre annehmen könnten. Ländliche Gebiete werden trotzdem immer mehr sich selbst überlassen. Dieser Widerspruch ist für uns jedoch kein Zufall. Wir streiten für die Angleichung der Lebensverhältnisse überall. Menschen in der Uckermark sind genauso viel Wert wie diejenigen in München oder Dresden.

3* Fluss ***
Nichts scheint im Fluss zu sein, wenn es um den demografischen Wandel geht. Ganz besonders arg trifft es Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit. Junge Menschen wandern ab und zurück bleiben Arbeitslose und Rentner_innen. Migration gab es zwar schon bei den Neandertalern. Da entschied aber im Gegensatz zu heute nicht die Hautfarbe, Herkunft oder Nationalität über die Erlaubnis, sich für einen neuen Lebensmittelpunkt entscheiden zu dürfen. Heute gibt es weltweit schätzungsweise 190 Millionen Arbeitsmigrant_innen. Sprüche wie: „Montagmorgen rückt ganz Europa nach Westen“ , treffen kaum mehr auf Verwunderung. Menschen ziehen wie Karawanen der Arbeit hinterher. Die Hast nach Arbeit und Geld rückt alle Bedürfnisse in den Hintergrund. Die Bedürfnisse der Menschen ebenso, wie die unserer Umwelt. Damit lässt sich kein gutes Klima machen – weder im Job, noch in der Liebe und schon gar nicht für die Ozonschicht!

4* Beruf ****
Call Center Agent versus Mutti; Food Designer_in versus Landwirt, Arbeitslose_r versus Projektmanager_in.
So komisch diese Tragik erscheinen mag, kaum eine_r wird noch das, was sie_er werden will. Wer überhaupt noch eine Ausbildung bekommt, hat „Glück“ . Danach warten stupide Berufe der modernen Industriegesellschaft auf uns. Die Frage: „Was willst du werden?“ ist da für sich genommen schon ein Witz! „Wir können alles machen genau wie die tollen, dressierten Affen, wir müssen nur wollen.“ Der Berufsethos gehört auf den Müll, auch wenn es ausreichend 9 to 5 Jobs für alle gäbe. Arbeit soll kein Land regieren. Neben der Umverteilung von Arbeit gehört deshalb auch die Diskussion über die Einführung eines Grundeinkommen versus Grundsicherung auf die Agenda. Die freie Entfaltung Aller ist unser Ziel!

5* Hobby *****
„Mir ist so lang, langweilig- lang, langweilig!“ Nix zu tun? Einöde? Zwischen Industrieruinen und Shoppingmalls. Was braucht der Mensch zum Leben? Schule machen und dann weg. Und wer bleibt? Niemand. Städte sterben mit den Menschen, die gehen.
Während der Eintritt im Schwimmbad in Essen zu teuer ist, gibt es in Wolfen nicht mal mehr eins. Der freie Zugang zu Kultur und Bildung ist ein Grundrecht. Wer garantiert dieses, wenn negative öffentliche Kassen gerade mal die Müllabfuhr gewährleisten können? Kriminelle Ausländer werden von der CDU zu offiziellen Sündenböcken erklärt, während sich die Kleinkriminalität vielerorts, als einziges Hobby und zudem noch lukratives Hobby, in allen Gesellschaftsschichten durchsetzt. Die bedingungslose Teilhabe an Grund- und Menschenrechten ist keine Standortfrage!

6* Ideen ******
Politik muss Antworten auf gesellschaftliche Fragen finden. Welche Antworten haben wir? Ob Internationaler Großflughafen oder Spielplatz. Wie gestalten wir soziale Stadtpolitik mit den Menschen? Bürger_innenbeteiligung ist schnell gesagt und oft schwer getan. Ein Sozialticket für Brandenburg? Hinzugsprämie oder Wegzugsprämie? Wie kann „Ghettoisierung“ verhindert werden? Wäre die Einführung einer Bodenwertschöpfungsabgabe für den Verkauf öffentlicher Flächen an private Investoren eine Rettung vor dem Ausverkauf und eine Chance leere Haushaltskassen wieder aufzufüllen? Und wohin mit den Menschen? Das Recht auf Wohnen muss im Grundgesetz verankert werden.


Stadt, Land, Fluß… – Visionen für ein schönes Leben am Arsch der Welt
Seminar über Partizipation, Demokratie und schönes Leben in der Peripherie

23.08.2008 | ab 14.30 Uhr
Utopia e.V. | Berliner Straße 24
Voranmeldung über Kontakt wäre toll

Nazis ausgeschlossen!

Es darf gefeiert werden – „Nordic Company“ muss gehen

(INFORIOT) In wenigen Tagen ist es endlich soweit: der im April geöffnete rechte Szeneladen Nordic Company (NC) in Frankfurt (Oder) muss seine Türen vorzeitig wieder schliessen!

Was ist los? Ich hab davon nichts mitbekommen.

Okay, für dich nochmal ausführlich: Am 7. September 2007 eröffnete das Geschäft Nordic Company – Textilwaren in der Lindenstraße, zog aber im April 2008 an seinen jetzigen Standort am Bahnhofsvorplatz. NC ist ein Bekleidungsgeschäft, das ausschließlich zwei als extrem rechts bekannte und in Neonazikreisen beliebte Modemarken vertreibt. Zum einen „Thor Steinar“, eine Marke, die von Neonazis für Neonazis produziert wird. Zum anderen „Erik and Sons“; weniger bekannt, aber kein bisschen weniger neonazistisch.

NC ist ein Geschäft, das nach Einschätzung der Besitzerin immerhin so gut läuft, dass es ganz auf eine nicht rechte Kundschaft verzichten kann. Nicht nur die lokale Neonaziszene, sondern auch die des Frankfurter Umlands, hat den Laden für sich entdeckt hat (mehr).

Ich fass es nicht! Erzähl mehr!

Hinter NC stand und steht der Frankfurter Maik Wilke. Offiziell sieht er seinen Namen nur ungern in Verbindung mit dem Geschäft, da er antifaschistisch engagierten Personen der Stadt kein Unbekannter ist. So wurde der Laden offiziell von seiner Lebensgefährtin Beatrice Schmidt geführt. Auch sein Sohn Martin Willke ist ein stadtbekannter Hooligan und Neonazi.

Und was wurde dagegen unternommen?

Durch einen breiten Protest gegen NC ist es gelungen, bereits kurz nach dem Umzug auf den Bahnhofsvorplatz, eine Kündigung Seitens der Deutschen Bahn zu erreichen, die die Immobilie vermietet. Zum 1. August wird der Laden verschwunden sein – zumindest von seinem jetzigen Standort. Am Protest gegen den Laden und der mit ihm einhergehende Etablierung rechten Gedankenguts waren lokale Antifagruppen, das Jugendamt, Vereine und Politiker der Stadt Frankfurt/Oder beteiligt.

Aber der Laden schließt doch nächste Woche…

Es muss betont werden, dass nicht der Laden das einzig wahre Problem ist, sondern Neonazis und -faschisten in und um Frankfurt, die mit NC nur einen weiteren Anlaufpunkt erhalten haben.

Um das zu verdeutlichen, ruft die Plattform gegen Rechts auf, sich am Dienstag, den 29. Juli 2008 zwischen 16 und 18 Uhr an einer Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz gegen den rechten Kleidungsladen, aber auch gegen jede Form von Neonazismus und Faschismus zu beteiligen.


Gruppe ISKRA stellt das Buch Plädoyer für Israel vor