Archiv « [Gruppe ISKRA] ::: Die Vernichtung des Nazismus mit all seinen Wurzeln ist unsere Losung.

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Gruppe ISKRA und die Linksjugend [’solid]

(iskra) Hiermit erklären wir – die Gruppe ISKRA – unseren offiziellen Austritt aus der Linksjugend [’solid]. Wir begreifen uns nicht mehr wie bisher als Bestandteil des Jugendverbandes und sind demzufolge auch keine Ortsgruppe der Linksjugend in Frankfurt (Oder) mehr.

Hierbei spielen viele politische Unterschiede eine Rolle, die sich zwischen uns und dem Jugendverband herausgebildet haben. Was das für Unterschiede sind, kann jede_r selbst herausfinden, wenn sie_er unsere Inhalte mit denen des Jugendverbandes vergleicht, dazu kommen „kulturelle Unterschiede“, was die politische Praxis anbetrifft sowie die thematische Schwerpunktsetzung.

Wir möchten nicht falsch verstanden werden: Wir halten das Konzept des demokratischen und pluralistischen Jugendverbandes für richtig, die Arbeit wird allerdings erheblich erschwert durch das Scheitern an den eigenen Verbandsansprüchen. Interne Klüngeleien, mangelnder Informationsfluss von oben nach unten und sexistische Denkweisen sind hierbei nur einige Beispiele des Verbandscharakters, die es zu kritisieren gilt.

Dennoch hielten wir an der Arbeit fest und versuchten, vor allem inhaltlich den Verband zu bereichern und in diesem Sinne zu intervenieren. Dies geschah u.a. durch Seminare, Bildungsfahrten und politische Texte. Wir freuen uns, dass so bspw. die Potsdamer Ortsgruppe ebenfalls das Thema DDR-Vergangenheit thematisiert, ähnlich wie wir es ein Jahr zu vor durch unseren Besuch in Hohenschönhausen angeregt haben.

Allerdings haben wir als Gruppe seit langem nicht mehr die Möglichkeiten, um unsere Gestaltungsmöglichkeiten auszubauen. Ein Beispiel soll hier der Rat der Regionen sein, der als Vernetzungsorgan eine wichtige und von uns begrüßenswerte Rolle einnimmt. Es freut uns zu sehen, dass der Rat schon seit vielen Monaten konstant arbeitet.
Dennoch konnten wir nie an einem Treffen teilnehmen, da unsere zeitlichen und personellen Ressourcen erschöpft sind.

Wir als Gruppe sind entgegen unserer Darstellung kein Haufen von jungen Menschen, die sich lediglich in Frankfurt (Oder) engagieren. Wir sind mittlerweile verstreut und haben der Stadt zum großen Teil den Rücken zu gekehrt. Allerdings nicht nur der Stadt, sondern auch dem Land. Wir sind verstreut in Deutschland, Polen und Israel.

Vor Ort konnten wir deshalb keine Aktivitäten mehr entwickeln und Teile des Jugendverbandes fingen damit an, die Möglichkeiten auszuloten, eine neue Ortsgruppe der Linksjugend [’solid] in Frankfurt (Oder) zu gründen.

Dies ist der zweite und zugleich der Hauptgrund, weshalb wir unseren Austritt erklären. Wir sind in der Stadt nicht weiter aktiv und sind bestrebt, klare Verhältnisse zu schaffen, die eine eventuelle Gründung einer neuen Ortsgruppe die Orientierung erleichtert (hinsichtlich zum Verhältnis zur lokalen Partei Die Linke. und der Inanspruchnahme von Ressourcen usw. usf.).

Die Mitglieder unserer Gruppe, die zugleich Mitglieder der Linksjugend [’solid] sind, werden dies auch bleiben, um auch weiterhin den Verband je nach persönlichen Möglichkeiten mitzugestalten. Auch werden wir als Gruppe ISKRA versuchen, die Arbeit des LAK Shalom Brandenburg und des BAK Shalom inhaltlich und personell zu unterstützen. Ebenfalls werden wir zukünftig eine Zusammenarbeit mit jenen Teilen des Jugendverbandes nicht per se ausschließen, wenn politische Inhalte und Ziele mit unseren als Gruppe und internen Mitgliedermeinungen vereinbar sind. Dies betrifft besonders zukünftige Projekte zum Thema Antisexismus, Queer, Lookism innerhalb des Brandenburger Landesverbands.

Wie geht es nun mit uns als Gruppe ISKRA weiter? Dies ist auch uns noch nicht vollkommen klar, aber wir versuchen die Emanzipation von räumlicher Politik und den persönlichen Abstand innerhalb der Gruppe als Chance zu begreifen, um uns in aller erster Linie intern inhaltlich zu bereichern, Erfahrungen an den unterschiedlichen Orten zu sammeln und sich neu zu orientieren. Wie das in „handfeste“ Politik übergeht, wird sich zeigen.

Sicher ist jedoch, dass wir weiterhin Texte, Berichte und Terminhinweise veröffentlichen und verbreiten wollen.

Zum Ende noch die Standartwünsche; alles Gute und Spaß an der Politik, nehmt eure eigenen Ansprüche ernst und überprüft sie stets. Interessierte an Mitwirkung in unserer Gruppe können sich weiterhin melden, das trifft selbstverständlich auch auf politische Gruppen zu, die mit uns zusammenarbeiten wollen.

Veranstaltungshinweis: Herbstcamp ’08

(iskra) Du bist jung, alternativ, und weißt nicht, wie Du deine Herbstferien verbringen sollst? Mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen bist Du nicht zufrieden, weißt aber auch nicht, was Du da tun könntest, und bist auf der Suche nach Leuten, denen es ähnlich geht?

Herbstcamp 08

Auf dem Antifaschistischen Herbstcamp ‘08 vom 19. bis 25. Oktober kannst Du mit Gleichgesinnten alternative Lebenskonzepte und eigenen politische Strategien diskutieren sowie deine Interessen vertiefen. Im Grünen werden Seminare zu wichtigen gesellschaftlichen Problemen und Theorien angeboten. Außerdem wird es auch die Möglichkeit geben, Sport zu treiben und sich künstlerisch zu betätigen.

Interessiert? Dann melde dich und deine Freunde jetzt an. Es wird von uns eine Anmeldegebühr von 10 € erhoben, die ihr an uns schickt. Diese werden Dir nach der Teilnahme zurückerstattet.
Vegetarische Vollverpflegung und Unterkunft in Bungalows sind kostenlos.

“Veranstaltet von Utopia e.V. und der autonomen antifa frankfurt (oder) [aaffo]
Gefördert vom Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ – LAP Frankfurt (Oder)”

Weitere Infos, den Seminarplan sowie ein Anmeldeformular findet Ihr hier.

Die extreme Rechte im Land Brandenburg

Wie vielleicht schon bekannt, werden im kommenden September in Brandenburg Kommunalwahlen stattfinden. Zu diesen wird unter anderem auch die rechtsextreme NPD antreten – nicht immer offen und als solche kenntlich; zum Teil verdeckt in Form von Bürgerinitiativen und dergleichen.

Aus diesem Grund möchten wir am kommenden Freitag, den 23. Mai zu einer Informationsveranstaltung im Rahmen der Kampagne „Keine Stimme den Nazis“ einladen. Organisiert durch [anspruch.gegenwirklichkeit] und unterstützt durch Die Linke.Viadrina, spricht ab 18 Uhr Herr Frank Metzger, Referent des apabiz e.V. Berlin, im Gräfin-Dönhoff-Gebäude, HS 08 der Europa-Universität Viadrina zum Thema „Die extreme Rechte im Land Brandenburg“.

Der Vortrag bietet Reflexionen darüber, wo Rechtsextremismus anfängt und wie er sich in Brandenburg äußert; darüber hinaus Fakten zum Grad
rechtsextremer Organisation sowie zur Verbreitung rechter Ideen in der Bevölkerung. In der anschließenden Diskussion kann zudem auf
rechtsradikale Phänomene im lokalen Kontext Frankfurts eingegangen werden.

Wir würden uns sehr freuen, könntet Ihr uns helfen den Termin weiter zu tragen. Wir freuen uns auf Euer Kommen!

* Vortrag und Diskussion: „Die extreme Rechte im Land Brandenburg“
* Freitag, 23. Mai 2008, 18 Uhr
* Europa-Universität Viadrina, Gräfin-Dönhoff-Gebäude, HS 08

LAK Shalom Brandenburg gegründet

LAK Shalom Brandenburg(iskra) Sozusagen zum 60. Geburtstag Israels haben Brandenburger Genoss_innen den LAK Shalom Brandenburg gegründet. Dieser LAK ist nach Berlin der zweite Arbeitskreis auf Landesebene. Außerdem sind LAK-Gründungen in Hamburg und Sachsen geplant. An dieser Stelle dokumentieren wir die Gründungserklärung des LAK Shalom Brandenburg. Auch möchten wir auf den Blog des Arbeitskreises verweisen.

„Wenn wir heute es nicht tun, werden wir es nie tun.“
(David Ben Gurion)

Anfang Mai dieses Jahres fallen zwei wichtige Ereignisse aufeinander. Es ist zum Einen der Sieg der Anti-Hitler-Koalition über das nationalsozialistische Deutschland vor 63 Jahren und zum Anderen die Gründung des Staates Israel vor 60 Jahren.

Ein zentrales Ziel der Nationalsozialisten war es, das gesamte Judentum Europas auszulöschen. Erst mit dem Sieg der Alliierten konnte dieser Vernichtungskrieg endgültig gestoppt werden. Für die wenigen jüdischen Überlebenden gab es oftmals nur eine Hoffnung: Der neue Staat Israel, der sie zukünftig vor antisemitischen Übergriffen schützen sollte. Während die Deutschen die Trümmer ihres Weltkriegs-Verbrechen wegschaufeln, erklären mutige Menschen in Tel Aviv die Gründung Israels. Deshalb stehen beide Ereignisse in enger Verbindung zueinander. „Wer von Israel spricht, darf von der Massenvernichtung der europäischen Juden nicht schweigen.” (Detlev Claussen)

Mit der Gründung Israels ist der Antisemitismus aber nicht verschwunden – ganz im Gegenteil, er ist fester Bestandteil regressiver Ideologien und in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden. Seine neue Ausprägung besteht u.a. in der Form des sekundären Antisemitismus, also als Antisemitismus nicht trotz, sondern wegen Auschwitz.

Es ist nicht verwunderlich, dass auch Brandenburg bekannt ist für eine Vielzahl von antisemitischen Übergriffen. Am Abend des 9. November 2006 kam es zur Schändung des Gedenksteins der jüdischen Synagoge in Frankfurt (Oder). Rechtsextremist_innen griffen die Teilnehmer_innen der „Judenveranstaltung“ an. Traurig ist, dass dieser Gedenkstein jede Woche geschändet wird, doch nur zum Gedenktag an die Pogromnacht wurde diese Tatsache auch wirklich registriert.
Ähnliches ist aus der Brandenburger Stadt Forst zu berichten. Zwischen 2006 und 2007 wurde mehrmals der Gedenkstein der ehemaligen Synagoge geschändet.

Allzu oft werden diese Taten als „Dummheiten“ oder „Streiche“ abgestempelt. Diese Ansicht verkennt aber, dass der Antisemitismus nicht nur Ablehnung gegenüber allem Jüdischen ist, sondern ein Weltbild darstellt, welches einfache Antworten auf schwierige Fragen anbietet.
Zentral im Antisemitismus ist die Erklärung der modernen kapitalistischen Weltökonomie. Diese wird nicht als ein sich subjektlos vollziehender Prozess gesehen, sondern als ein von bösen Menschen gezielt durchgesetztes Ausbeutungsprojekt.
Nach demselben Muster erklärt der Antisemitismus den zweiten wichtigen Bereich der modernen Gesellschaft: die Politik, den modernen Staat, den demokratischen Widerstreit, unterschiedliche und gegensätzliche Interessen sowie die Entwicklung des Kommunismus. Politiker werden angeblich gekauft, um Presse und Wirtschaft zu manipulieren.
Hier setzt auch der dritte Punkt an: Für alle Phänomene der modernen Gesellschaft seien die Juden verantwortlich: für die Auflösung traditioneller Autoritäts-, Familien- und Geschlechterbeziehungen, für die radikale Infragestellung von allen althergebrachten Normen, für moderne, abstrakte Kunst, für die Massenkultur, für die Frauenemanzipation, für Verstädterung und Psychoanalyse.

Dies sollen nur drei genannte Punkte sein. Aber wie bereits oben beschrieben, sind eine Vielzahl von Merkmalen des Antisemitismus entstanden. Dazu zählt die Tatsache, dass auch die politische Linke nicht immun gegen Antisemitismus ist und eine Form des linken Antisemitismus entwickelt hat.

Wenn in diesem Mai gefeiert und erinnert wird, dann darf nie vergessen werden, dass es heute noch einen Kampf gegen die antisemitische Ideologie zu führen gilt, damit „Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.” (Theodor W. Adorno)

Genau deshalb erklären wir Sozialist_innen und Kommunist_innen der Linksjugend [’solid] Brandenburg die Gründung des LAK Shalom Brandenburg, welcher innerhalb des Landesverbandes eine Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus bilden soll.

Frankfurt (Oder) | 9.5.2008

Keine Stimme den Nazis!

Keine Stimme den NazisAm 28. September 2008 finden im Land Brandenburg Kommunalwahlen statt und diesmal will auch die NPD flächendeckend antreten. Ihr Ziel ist es, in möglichst alle Kreistage und relevanten Stadtverordnetenversammlungen einzuziehen. Beflügelt von den Erfolgen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern will sich die neonazistische Partei fest in Brandenburg verankern und so ein Fundament für die Landtagswahlen 2009 schaffen. Deshalb baut die NPD systematisch neue Parteistrukturen auf. Darüber hinaus versucht sie, in Bürgerinitiativen und Vereinen mitzuarbeiten – oft mit Erfolg. Gleichzeitig ist ein sprunghafter Anstieg ihrer Aktivitäten, unter anderem in Form von Kundgebungen, Infotischen und Aufmärschen zu verzeichnen. Tatkräftig unterstützt wird die NPD dabei von gewalttätigen Neonazis aus dem Spektrum der „Freien Kameradschaften“.

Die NPD bemüht sich um Bürgernähe, veranstaltet Kinderfeste und verteilt Schülerzeitungen. Mit billigen Klischees über Migrant_innen knüpft sie an bestehende Rassismen in der Bevölkerung an und stellt sich als Alternative zum Sozialabbau der Regierung dar. Ein Blick in ihr Programm oder die Parteizeitung zeigt jedoch, wofür sie wirklich steht: nationalistischer Wahn nach einer Volksgemeinschaft, Antisemitismus, eine verquere Kapitalismuskritik, Führerkult, Homophobie, rassistische Ausgrenzungspolitik und Verherrlichung des Nationalsozialismus. In Brandenburg wird dies unter anderem durch die Aufmärsche in Halbe deutlich, bei denen die NPD die Wehrmacht glorifiziert. Dabei macht sie Täter zu Opfern und leugnet die deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges.

Die Verbreitung solcher Inhalte hat mit zur Folge, dass Brandenburg eines der Bundesländer mit den meisten rechten Übergriffen ist. Das ist jedoch nur der Gipfel des alltäglich zu erlebenden Rassismus. Schweigende Toleranz führt dazu, dass die Rechten ihre Hetze gegen Alle, die nicht in das menschenverachtende Weltbild der Nazis passen, ungestört äußern können. Anklang findet rechtes Gedankengut insbesondere bei Jugendlichen. Dies belegt eine emnid-Umfrage von Oktober 2007: Zwölf Prozent der 18- bis 29-jährigen Brandenburger_innen können sich vorstellen, die NPD zu wählen.

Trotz verschiedener zivilgesellschaftlicher Initiativen gibt es in Brandenburg eine stabile rechte Szene, insbesondere in ländlichen Regionen. Die Neonazis verdienen Geld als Security von Dorffesten und haben in den Fussballstadien des Landes das Sagen. Sie verfügen über eine eigene Subkultur mit einer Infrastruktur aus Bands, Läden und Modelabels wie z.B. „Thor Steinar“. Diesem gelingt es inzwischen sogar, sich als unpolitische Trendkleidung für Jugendliche darzustellen. Dort wo Neonazis die Straße dominieren oder sich in Gaststätten, Clubs und Jugendeinrichtungen breit machen, entstehen „NoGoAreas“ für Menschen, die dem platten Feindbild der Rechten entsprechen.

Aber es gibt Viele, die dies ändern wollen, die sich nicht von den Rechten einschüchtern lassen, und sich nicht bei Denjenigen einreihen, die es vorziehen, die Situation zu verharmlosen. Mit ihnen zusammen stellen wir uns gegen Neonazismus, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus. Wir lassen die Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt nicht alleine und stehen für ein solidarisches Zusammenleben aller Menschen. Wir treten den Rechten mit vielfältigen Aktionen entgegen und machen der NPD einen Strich durch die Rechnung!

Keine Stimme den Nazis – weder im Parlament, noch auf der Straße oder im Verein!


Gruppe ISKRA stellt das Buch Plädoyer für Israel vor