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Fegen, Waschen, Kümmern — Reprodukive Tätigkeiten von Migrantinnen

Migration – wer steht eigentlich wo?

Wer macht den Haushalt? (th) “No nation, no border! Fight law and order!” Meinungen und Ansichten zum Thema Migration sind nicht so scharf voneinander getrennt, wie es Aktivist_innen vielleicht gerne hätten. Radikale Forderungen wie die Abschaffung bestehender Grenzen, das Recht auf freie Migration und das Engagement gegen die Festung Europa stehen auf dem Plan, um Menschen ein würdiges Leben überall zu ermöglichen und ihnen die Freiheit auch auf räumliche Selbstbestimmung zu geben. Der Kampf gegen die Illegalisierung von Migrant_innen hingegen bleibt oftmals auf ein paar linksradikale Aktivist_innen beschränkt, während der eine Gewerkschaftsfunktionär und die andere Arbeiterin freier (Arbeits-)migration äußerst skeptisch gegenübersteht. Sozialromantische Vorstellungen eines abgeschotteten Wohlfahrtsstaates bestimmen noch viel zu oft das Denken vieler sich als links Verstehender. Auf der anderen Seite erschrickt die Offene-Grenzen-Aktivistin, dass neben ihr ein Mensch wirtschaftsliberaler Überzeugung steht und selbst auch gern handfest gegen Grenzen und law & order Politik auf die Barrikaden geht, beeinträchtigten sie doch die freie Bewegung von Menschen, die im Liberalismus als eine Grundvoraussetzung für eine prosperierende freie Wirtschaft angesehen wird.
Auf dem Bild: Menschen migrieren Ähnlich gerät die Debatte um Menschenhandel und Zwangsprostitution (sexuelle Gewalt) sichtlich durcheinander; die Problematik, von radikalen Feminist_innen auf die Agenda gesetzt, wird nun mehr von staatlichen Akteuren instrumentalisiert, um Migration nach dem Motto “Wer in seiner Heimat bleibt, kann auch nicht Opfer werden.” einer strengen Reglementierung zu unterwerfen.
Migration ist ein Thema, in dem überkommene Rechts-Links-mind-Kartographien offenbar ihre Orientierungleistung eingebüßt haben.

Feminisierung der Migration

Frau als autonome Migrantin mit Koffer Wer geht, wer bleibt? In der Vergangenheit wurde Migration vor allem als männliches Phänomen angesehen; als Zeugnis von Abenteuerlust, Mut und Draufgängertum bescheinigte es dem Migranten ausgesprochen maskuline Qualitäten – ob als italienischer Goldsucher, der seinem Glück in Kalifornien nachjagte oder der sich in der Automobilindustrie verdingende türkische Gastarbeiter in Mitteleuropa. Karin Sarsenov zeigt in ihrem Aufsatz “Kann denn Reisen Sünde sein?”, dass im Denken vieler Menschen Maskulinität und Mobilität miteinander in enger Beziehung stünden, Frauen als die Mutter der sinnbildlich weiblichen Nation dagegen durch verordnete Sesshaftigkeit mit Verweis auf ihre reprodukiven Tätigkeiten an die Heimat gefesselt seien. Ein Blick auf gängige genderspezifische Modenormen verdeutlicht: “Das Füßebinden in China, aber auch hochhackige Schuhe und enge Röcke dienten dazu, Frauen metaphorisch, aber auch ganz konkret an einem Ort festzuhalten.” (Sarsenov, Karin (2006): Kann denn Reisen Sünde sein? Drei russische Romane über mobile Frauen.) Der Idealtypus der Migration besteht darin, dass der Mann als Hausvorstand allein in die Ferne ging und, wenn es die Lage ermöglichte, Frau und Kind nachholte. Die Vorstellung einer Frau, die allein das Weite sucht, wird demgegenüber mit dem Verlust der Unschuld assoziiert, denn sie trage den Stolz der Nation in sich und die Kontrolle ihrer Sexualität erscheine auf große Distanz in einem fremden Land ihrer Familie und ihrem Mann schwer möglich. Das Stigma der Prostituierten, deren Betätigung als das unausweichliche Ende der Migrantinnen angesehen wurde, sollte solch aufkeimendes Fernweh bereits im Heimatland ersticken:

Im Russischen wie im Englischen, im Deutschen und im Französischen bedient man sich Worten der Bewegung, um jene Eigenschaften zu beschreiben, die eine Prostituierte von einer tugendhaften Frau unterscheiden. Die Hure ist die sljucha, eine, die sich herumtreibt (sljat’sja); sie ist auch die guljascaja zenscina, eine Frau, die die Runde macht, ein Wanderpokal. Die englische Prostituierte geht als streetwalker ebenso auf den Strich wie die deutsche Bordsteinschwalbe. Und auch die französische Dirne fait le trottoir. (zit. nach Sarsenov, Karin (2006))

In heutiger Zeit bezeichnet die Feminisierung der Migration das Phänomen – sowohl in der Wahrnehmung als auch in der Wirklichkeit – des Anstiegs von Frauen in den Migrationskontingenten. Frauen migrieren immer öfter, auch ohne männlichen Partner. Die Ursachen ihrer Migrationsentscheidung sind äußerst verschieden und reichen von politischer Verfolgung bis hin zur Hoffnung auf eine besser bezahlte Arbeit.

Der duale Arbeitsmarkt

“Wir sitzen (als Lohnabhängige) doch alle im gleichen Boot.” – derlei Aussagen vernebeln die Tatsache, dass der Arbeitsmarkt in seiner Struktur äußerst differenziert ist. Reinigungskräfte sehnen sich ähnlich wie Fluglots_innen nach höheren Löhnen, aber ohne Frage ist die Chance, dass zweitere Forderungen auch tatsächlich durchgesetzt werden gegenüber ersteren ungleich höher. Verschiedene Soziolog_innen betrachten den Arbeitsmarkt deswegen als zweigeteilt. Erstes Arbeitsmarktsegment - sicher und gut bezahlt Im ersten Arbeitsmarkt arbeiten Angestellte, die eher angesehene, solide bezahlte, sichere (sowohl für die Gesundheit als auch in Hinlick auf Arbeitslosigkeit) Tätigkeiten verrichten. Beamte, Lokomotivführer_innen, Arbeiter_innen bei Automobilkonzernen gehören ohne Frage dazu. Sie sind (gewerkschaftlich) gut organisiert und erfreuen sich jedes Jahr über einen höheren Verdienst. Der zweite sekundäre Arbeitsmarkt hingegen erscheint ausgesprochen prekär. Die Tätigkeiten sind anstrengend, gering qualifiziert, gefährlich; die Angestellten haben keine Planungssicherheit, oftmals nicht mal einen Arbeitsvertrag, die soziale Anerkennung in diesem Gebiet ist äußerst gering. Zweites Arbeitsmarktsegment - unsicher und schlecht bezahlt Trotz oder gerade wegen derlei schlechten Arbeitsbedingungen ist jene Personengruppe eher schlecht organisiert. Erntetätigkeiten, Hausarbeit, Sexarbeit, Tätigkeiten im Securitybereich sind Beispiele für dieses Arbeitsmarktsegment. Wie unschwer vorstellbar, ist die Durchlässigkeit beider Segmente eher gering. Soziale Schieflagen hinsichtlich Gender, Klasse, Herkunft usw. schlagen auch auf die Zusammensetzung beider Arbeitsmarktsegmente durch. Vor allem illegalisierte Migrant_innen finden sich im zweiten Arbeitsmarksegment wieder, fehlt ihnen doch sowohl der sichere Status als auch das Kapital, um im Arbeitsmarkt auf höherer Ebene einsteigen zu können. In Bezug auf Gender wird deutlich, dass gerade das zweite Arbeitsmarktsegment idealtypische Frauentätigkeiten bereithält. Doch nicht nur Frauen, auch Jugendliche können es sich leisten, im Sommer für geringeres (wenn auch in ihren Augen gutes) Geld Erdbeeren in anstrengender Hockstellung zu pflücken. Warum das so ist, verrät ein Blick in die Vergangenheit: Hauptverteilungskanal sozialer Anerkennung war stets die Tätigkeit des Vaters bzw. Ehemanns. Die Frau konnte in der Position einer Sekretärin eines kleinen Unternehmens auch hoch geachtet werden, wenn nur der Ehemann z.B. an der Uni als Professor eine Anstellung hatte. Die Kinder Kauflandbroschüren austeilen zu lassen, führt auch heute eher in den allerseltensten Fällen zu Stigmatisierung in der Klasse.

Wer schmeißt den Haushalt?

Erwerbstätigkeit von Frauen, nicht zuletzt auch im ersten Segment, hat in Europa und anderen westlichen Ländern in den letzten Jahrzehnten enorm an Popularität gewonnen. Die Frage ist, wer bei der Erwerbstätigkeit beider Elternteile die Haus- und Familienarbeit (Reproduktionsarbeit) übernimmt. Die Wohnung muss geputzt, das Essen gekocht, die Kinder betreut, die alten Eltern gepflegt werden, … Putzen Dass Frauen trotz gleicher Arbeitszeit im Beruf um ein Vielfaches mehr als ihre (geschiedenen) Ehemänner, Brüder, Väter… in diesem nicht vergüteten Arbeitsbereich eingebunden sind, ist allgemein bekannt. Wenn innerfamiliäre verbale Auseinandersetzungen nichts nützten, hatte das verschiedene Konsequenzen: Im Osten vor allem die Doppelbelastung der Frau, denn das Einstellen von Hausarbeiter(_)innen war als bourgeoises Relikt weithin verpönt. Im Westen konnte die Frau, verdiente sie ausreichend, eine Arbeitskraft einstellen, die die Hausarbeit verrichtete. Allein der Blick darauf, dass eben in den meisten Fällen die Frau einstellt, kontrolliert und bezahlt, unterstreicht, dass trotz Auslagerung diverser Tätigkeiten nachwievor in ihrem Verantwortungsbereich liegen. Wen einstellen? Kochen Die studierte, aber gerade arbeitslose Nachbarin? Das geht gar nicht, denn Distanz ist gefragt. Um ein ausreichendes Maß an Distinktion zu schaffen, sollte die Arbeitskraft einer niedrigeren Klasse angehören und möglichst aus einem anderen Land stammen. So haben wir das Gefühl, trotz geringer Bezahlung etwas Gutes zu tun.
Die arbeitende Migrantin befindet sich als Angestellte bei ihrer Arbeitgeberin in einer äußerst prekären Lage. Die Wohnung als einer der von der Verfassung am meisten geschützten Orte behütet sie einerseits vor Kontrollen hinsichtlich illegalisierter Beschäftigung, auf der anderen Seite ist die Arbeit an der Schnittstelle zwischen privatem und marktgesteuertem Bereich aber auch verschiedenen Bedingungen unterworfen. Abhängigkeitsverhältnisse überlagern sich in diesem Bereich, die Arbeitgeberin ist darauf angewiesen, dass die Migrantin die Hausarbeit verrichet, um eben ihrer eigenen Lohnarbeit nachgehen zu können, auf der anderen Seite kann sie aber auch der Migrantin im Falle eines prekären Aufenthaltsstatus rigoros die Arbeitsbedingungen diktieren. Kümmern: Baby sitten Wohnt zudem die Migrantin noch in der Familie, spart sie zwar das Geld für die Miete, verzichtet auf kurz oder lang aber auf einen großen Teil ihrer Freizeit nach Dienstschluss, wenn sie auch später noch hier und da mit “kleinen Tätigkeiten” ihrer Arbeitsgeberin zur Hand geht. Dass sich bei täglichem mehrstündigem Kontakt emotionale Beziehungen zur betreuten Person (Kinder und/oder alte Menschen) entwickeln, kann wiederum ausgenutzt werden. Aber nicht nur psychische Anstrengungen, sondern auch physische Gefahren zieht Hausarbeit nach sich, insbesondere, wenn die Arbeitgeberin mit allen Mitteln versucht, die Kosten zu senken:

There was a washing machine there but they wouldn’t let me use it, so I washed in hands. […] after six months I got a terrible rash on my hand, it hurt terrible, and the lady fired me because she said that this could be infectious and she doesn’t want me around her house. I didn’t have money for the doctor […] (zit. n. Krzystek, Karolina (2008): Integration of female migrants into labor market and society. Biographical policy evaluation. The polish case.)

Die Beziehung zwischen Arbeitgeberin und Hausarbeiterin bewegt sich im Spektrum zwischen mütterlicher, bevormundender Fürsorge und in Pedanterie umschlagende, agressive Dominanz. Die Gründe für derlei pathologische Ausformungen sieht Anna Titkow in der marginalisierten Stellung von Frauen in der öffentlichen Sphäre, die sie im privaten Bereich zu kompensieren versuchen. Die Ideologie der getrennten Sphären ist weiterhin wirkmächtig und zeigt offensichtlich negative Rückkopplungen auf die migrantische Hausangestellte als letztes Glied in dieser Hierarchiekette.
Die abschließende Bewertung bezahlter Reproduktionsarbeit indes fällt schwer. Auf der einen Seite ermöglicht dieser Tätigkeitsbereich ein, wenn auch durch ökonomische Zwänge begrenzt, selbstbestimmteres Leben der Migrantin. Auf der anderen Seite, von einem glasklar emanzipativen Standpunkt aus betrachtet, müsste natürlich auch im privaten Bereich das Verursacherprinzip Geltung beanspruchen: Wer das Bad zudreckt, sollte es gefälligst auch selbst saubermachen. Wird Hausarbeit endlich auch als diese benannt und ihr in diesem Zusammenhang auch der Wert einer Arbeit zuerkannt, kann das ohne Zweifel nur gut für die Beschäftigten im Bereich Reproduktionsarbeit sein. Gleichzeitig müssen hier bestehende Ausbeutungsverhältnisse thematisiert werden, denn der Mehrwert, der hier erzeugt wird, ist ungeheuer groß, kann ein Professor doch für 4 Euro die Stunde den Boden von einer Ukrainerin wischen lassen, während er einen Essay zum Thema Biodiversität in einer Wochenzeitschrift veröffentlicht und für diesen 800 Euro verdient.
Die Unterstützung von Migrantinnen, ihre eigene Position zu stärken, muss auf die Forderung nach freier Migration setzen, sodass die Betroffene frei von einem prekären Aufenthaltsstatus eigenen Ansichten von einem sicheren, fair bezahlten Arbeitsplatz besser Nachdruck verleihen kann.

Musterungsvermeidungsstrategien — Ein Selbstversuch

(th) Hey Boy! Die Bundeswehr ist Scheiße, Du willst keinen Wehrdienst leisten, findest Zivildienst aber auch irgendwie doof. Du möchtest den bürokratischen Apparat der Bundeswehr verlangsamen oder stören. Die Gründe, überhaupt nicht dienen zu wollen, sind vielfältig und legitim, sie reichen von Pazifismus bis Liberalismus, von der schlichten Faulheit und dem starken Unwillen, sich herumkommandieren zu lassen, bis … die Argumente sind kunterbunt

Musterung! try to survive!!

Dienstag, 07:30 Uhr. Es ringt an der Tür, ich mache auf.
«Sind Sie Herr K. Q.?»
«Ja, bin ich»
«Polizei, wir führen Sie zur Musterung vor.»
- Das war das Ende meiner langjährigen Musterungsvermeidung, die leider eben nicht vermieden werden konnte, aber im Gegensatz zu Gleichaltrigen deutlich verspätet und überraschend mich dann überwältigte.

Wir, die ISKRA, wollen unserem holistischen Politikanspruch gerecht werden, bieten also nicht nur Gesinnungsaufsätze, sondern auch praktische Hilfe und Beratung für Jugendliche in schwierigen Lebenslagen — zu denen Wehr- und oder Zivildienstbedrohungen eines selbstbestimmten, individualistischen unbeschwerten Lebens natürlich dazugehören. Einschlägige, über den Internetversand erstehbare Ratgeber, kostenpflichte Beratungen, Informationsmöglichkeiten über Safer-Not-Join gibt es zu genüge. Das Meiste, was dort drin steht, kann man auch in Internetforen nachlesen. Derlei Informationen sollten kein Geld kosten – Ein Selbstversuch eines ISKRA-Mitglieds wird hier mehr oder weniger ausführlich dokumentiert und soll Euch einen Überblick bieten, wie reagieren wenn der Zwangsdienst dunkel am Horizont aufzieht.

Wie das passieren konnte, weiß ich bis heute auch nicht. Ich habe eigentlich auf alles Acht gegeben, meine Mitbewohner_innen informiert (natürlich öffnete ich schließlich selber die Tür), einen Leitfaden an die Tür gehängt «Was tun bei Staatsgängelei, wenn die Polizei vor der Tür steht» und einen regen Schriftverkehr mit meinem zuständigen KWEA geführt.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Die erste heißt Totalverweigerung und führt über beharrliches Nichtstun unweigerlich in die Arrestzelle Deiner Dir zugewiesenen Kaserne. Du machst schlicht und einfach nichts, beantwortest keine Briefe, gehst nicht zur Musterung, früher oder später wirst Du von der Polizei abgeholt und am Ende kasernieren Dich die Feldjäger zwangsweise. Auch dort fällst Du durch stoisches Nichtstun auf, befolgst einen Befehl nach zweimaliger Wiederholung immer noch nicht und wirst wegen Befehlsverweigerung angeklagt. Jene Strategie ist ohne Zweifel ein Märtyrium gegen die Bundeswehr, Du opferst Dich, Dein weißes polizeiliches Führungszeug, Dein unschuldiges Vorstrafenregister einem höheren hehren Ziel, der Abschaffung der Bundeswehr. Deine Moralität in allen Ehren beschert Dir in der Konsequenz aber eine hohe Summe Gerichtskosten, einen möglichen Gefängnisaufenthalt und überhaupt blanke Nerven.
Die zweite Möglichkeit heißt Musterungsvermeidung. Aufgrund fehlender qualitativer Märtyermerkmale habe ich jene Möglichkeit der ersten vorgezogen. Musterungsvermeidung erfordert im Anfang ein wenig mehr Aufwand. Briefe Deines Kreiswehrersatzamtes solltest Du sorgfältig lesen. Mache Dir das Bild, dass sich die Militärbürokratie von Dir macht; Was wissen Sie von Dir: Name, Geburtsort und -datum, und Meldeadresse, genau das, was auf Deinem Personalausweis draufsteht, nur ohne Lichtbild.

Die mentale Vorbereitung auf den Augenblick, die Polizei hat bereits ein mal zuvor bei meiner ersten Meldeadresse geklingelt, ich war also vorgewarnt, zum Trotz – am Ende vergaß ich doch wieder die Basics. Zwar lies ich mir den Vorführungsbefehl zeigen, fragte naiv, ob ich den denn auch behalten könne, doch die beiden zivilen Polizeibeamten nach Name, Dienstnummer und Vorgesetzten zu fragen, fiel mir erst ein, als es bereits zu spät war. Ich dürfte mich ausgefertig machen. Noch etwas bedeppert im Schlafanzug stehend wollte ich mich gerne richtig anziehen, doch ein Polizeibeamter wollte auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht mein Zimmer verlassen; also notgedrungen im Bad umziehen.

Wenn irgendwann die gelben Briefe ins Haus flattern, deren Nichtbefolgen oder Nichtbeantworten mit einer Geldbuße geahndet werden kann, solltest Du anfangen in engeren Briekontakt mit deiner_m zuständigen Sachbearbeiter_in zu treten. Es kann sich eine rege Brieffreundschaft entwickeln, Du teilst ihm_ihr mit, dass Du zu diesem und jenem Termin eine Klausur schreiben musst, im Sommer hier und dorthin verreist und lässt ihn_sie auch an intimieren Facetten Deines Lebens teilhaben, wie zum Beispiel Deiner Krankengeschichte. Telefonischer Kontakt und/oder Blickkontakt wird das gegenseitige Bild nachhaltig zerstören und sollte infolge dessen tunlichst vermieden werden. Das Aufrechterhalten jener Beziehung ist nicht sehr teuer, ab und zu kaufst Du Dir ein paar Briefmarken, Umschläge und Papier. Strenggenommen handelt es sich hierbei um einen Abnutzungskrieg zwischen der Bürokratie auf der einen Seite und Wehrdienstvermeidern auf der anderen Seite. Dass Du Briefe, solange sie nicht gelb sind, einfach nicht bekommst, ist klar. Aber auch das Kreiswehrersatzamt bedient sich gerne solcher schmutziger das Vertrauen untergrabener Guerillo-Taktiken.

Dein persoenlicher Briefwechsel

Darum sei nicht geizig und schicke Briefe stets als Einschreiben mit Rückschein, die bekommen sie garantiert. Leg Dir vielleicht einen Ordner an, hefte alles ordentlich ab, mache Kopien von Deinen eigenen Briefen, so verlierst Du nicht den Durchblick. Und sei solidarisch, nimmst Du sehr viel Zeit und Geld der Wehrverwaltung in Anspruch, fehlt diese vielleicht bei dem 16-jährigen Markus, der auch nicht sonderlich viel Lust hat, zu dienen. Ziehst Du irgendwann von Zuhause aus, vielleicht in eine WG, ist es ratsam, Deine WG-Mitbewohner_innen zu informieren. Ein kleiner Leitfaden an der Tür kann dabei helfen:
Wenn es klingelt, schauen wie spät es ist, die Polizei kommt gerne zu unmenschenlichen Uhrzeiten
Durch den Spion gucken, ob es die Polizei ist
die betreffende Person ist nicht da, keine Ahnung wo sie ist, sich Dokumente zeigen lassen,…

Als es klingelte hat auch der Leitfaden wenig geholfen. Ich schaute durch die Tür, rechnete aber nicht damit, dass die Polizei in zivil auftaucht. Als sie dann schließlich drinnen waren, ich mich derweil im Bad frisch machte, schauten sie sich den “Leitfaden” sehr genau an. Eigentlich alles sehr unverfänglich, wäre da nicht die Fußnote 4, in der Stand, dass sie K. zur Musterung vorführen wollen. Ich hatte entgegen meiner Aussage zur Polizei also von der anstehenden Vorführung gewusst.”Das ist kein Kindertheater”, und um den eindrucksvollen Worten Taten folgen zu lassen, legten Sie mir Handschellen an, es bestehe erhöhte Fluchtgefahr. Eine Stunde Fahrt durch Berlin, langsam wird das Metall unangenehm, sie haben anscheinend bei der Herstellung der Handschellen vergessen, die Kanten rund zu feilen.

Im Kreiswehrersatzamt einfach losgehen, vielleicht das Klo aufsuchen und dann aus dem Fenster kriechen. Die Bürokratie reagiert natürlich auf derlei Vorkommnisse, sodass sie Dich in ein Büro bringen, dann nehmen sie Dir Deinen Ausweis ab und erst dann verabschiedet sich die Polizei. Wenn Du jetzt losgehst, kann das mit einem Bußgeld geahndet werden. Ob Du Dich jetzt mustern lässt, dem_der Arzt_in Deine über Monate zurechtgelegte Krankengeschichte abspulst, natürlich End-oder Anfangsstrahl ins Gläschen ablässt, oder nach Hause gehst, bleibt Dir überlassen. Nimm Dir ein paar Minuten Zeit für diese Entscheidung.

typische Musterungssituation

Ich habe mich mustern lassen. Habe mich vermessen und wiegen lassen und die Urinprobe abgegeben. Das Gespräch beim Arzt war sehr interessant, es hatte etwas Katharsisches. Und was hatte ich nicht alles gehabt, Durchfall regelmäßig, Unwohlsein, Unmengen von Krankheiten, Knochenbrüche, das Graben in meinem Kopf fing an. Was noch, was fehlt, richtig, ständig knicke ich um, Hohlfuß mit Spreizzehen. “Sie hatten also im Juli einen Bandscheibenvorfall, wie kam es denn dazu?” Ich hatte nie einen Bandscheibenvorfall, richtig, mein Arzt hatte ihn mir verschrieben, als ich wiedereinmal nicht zur Musterung konnte. Nun geriet ich ganz schön ins Rudern, denn den Wikipedia-Artikel zum Bandscheibenvorfall hatte ich leider nicht zu Ende gelesen, weder Ursache noch Behandlung waren mir klar. Drum erzählte ich dies und jenes, das meiste war entweder sehr unrealistisch oder aber der Arzt hätte tiefgläubig sein müssen, um mir solche Genesungswunder abnehmen zu können. Am Ende scheiterte alles an meinen Bändern, T5. Ende im Gelände, bevor ich es überhaupt betreten hatte.

Freiheit statt Islamische Republik!

(iskra) Die Gruppe ISKRA unterstützt die Kundgebung anlässlich des 30. Jahrestages der islamischen Revolution im Iran. Unter dem Motto „Freiheit statt Islamische Republik! Für einen säkularen und demokratischen Iran – Gegen jegliche Unterstützung für das iranische Regime“ wollen wir ein Zeichen setzen gegen das menschenverachtende Regime in Teheran und unsere Solidarität mit den säkularen Kräften im Iran zur Schau stellen.
Am 1. April sehen wir uns daher in Berlin, Hackescher Markt. Ab 11 Uhr wird es hier Infostände und Filme über den Iran auf Großbildschirm geben. Um 17 Uhr folgt die Kundgebung mit Redebeiträgen. Es folgt der Aufruf:

Freiheit statt Islamische Republik!
Für einen säkularen und demokratischen Iran – Gegen jegliche Unterstützung für das iranische Regime

Am 1. April 1979 wurde im Iran die „Islamische Republik“ ausgerufen. Das einzige, was es zu diesem Jubiläum zu feiern gibt, sind 30 Jahre Widerstand gegen dieses menschenverachtende Regime. 30 Jahre „Islamischen Republik Iran“ bedeuten 30 Jahre Unterdrückung und Terror: Verfolgung von nationalen und religiösen Minderheiten, von Homosexuellen, von Frauen, von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern sowie von Oppositionellen. Die öffentlichen Hinrichtungen von Menschen wegen angeblicher sexueller Verfehlungen oder wegen ihrer geschlechtlichen Orientierung sprechen allen Menschenrechtsprinzipien Hohn.

In den letzten Jahren hat sich die Menschenrechtslage weiter verschlechtert, z. B. für die 350.000 Baha’i im Iran. Sie werden systematisch diskriminiert und entrechtet, ihre Heiligtümer werden verwüstet, ihre Friedhöfe geschändet und ihre Würdenträger in Schauprozessen als feindliche Spione angeklagt. Den Baha’i-Angehörigen droht nach einem neuen Gesetz die Todesstrafe. Ihnen wird vorgeworfen, sie seien vom Islam abgefallen . Auch gegen das Streben nach Freiheit der iranischen Jugend, insbesondere an den Universitäten, kennt das Regime nur die Sprache der Gewalt.

Der Terror bleibt nicht auf den Iran beschränkt, antisemitische Terrororganisationen wie Hamas und Hizbollah werden vom Iran finanziert und hochgerüstet, exil-iranische Oppositionelle und jüdische Einrichtungen werden weltweit bedroht, wie etwa der Anschlag auf das Berliner Mykonos-Restaurant und der Terrorangriff auf die jüdische Gemeinde in Buenos Aires gezeigt haben.

Mit unserer Kundgebung, die zeitgleich mit Protesten in anderen europäischen Städten wie Wien, Rom, Madrid und Den Haag stattfinden wird, gedenken wir der Opfer der Mullah-Herrschaft im Iran, die Zehntausenden das Leben gekostet und Millionen ins Exil getrieben hat. Zugleich protestieren wir gegen die Unterstützung, die das Regime noch immer aus Europa und insbesondere aus Deutschland erhält. Die Bundesrepublik Deutschland hat vor 30 Jahren als eines der ersten Länder die Islamische Republik anerkannt. Sie ist heute der wichtigste westliche Handelspartner des Iran, ca. 1700 deutsche Firmen sind im Iran aktiv. Noch 2008 stieg der Export in den Iran um 10% an. Darunter war auch Technologie für den Energiesektor, in dem das Regime durch Sanktionen empfindlich getroffen werden könnte und der zugleich seine Haupteinnahmequelle darstellt.

Nicht erst seit Ahmadinedschads Präsidentschaft, sondern seit 30 Jahren ruft das Regime zur Zerstörung Israels auf. Heute steht es kurz davor, sich durch sein Nuklearprogramm die Mittel zu beschaffen, mit denen es derartige Drohungen in die Tat umsetzen könnte. Schon jetzt unterstützt das Regime islamistische und antisemitische Kräfte weltweit. Die Raketen der Islamischen Republik Iran reichen bis nach Europa. In der Krisenregion Naher Osten droht ein nukleares Wettrüsten. Eine nuklear bewaffnete Islamische Republik wäre deshalb eine globale Bedrohung.

Ohne gezielten politischen und wirtschaftlichen Druck wird das Regime Verhandlungen nur weiter dazu nutzen, Zeit für das Atomprogramm zu gewinnen und ungehindert jede Opposition im Inneren zu bekämpfen. Wir fordern deshalb die Bundesregierung und den Bundestag auf, sich für wirksame, umfassende und rasch in Kraft tretende Sanktionen auf EU- und UN-Ebene einzusetzen und diese notfalls auch unilateral anzuwenden.

Wir solidarisieren uns mit allen Kräften im Iran und im Exil, die für die Menschenrechte, insbesondere für die Glaubensfreiheit, die Meinungsäußerungs- und Pressefreiheit und für die Gleichberechtigung der Geschlechter, sowie für eine säkulare Demokratie eintreten.

Zum Weiterlesen:

Stop the Bomb: Infoseite zur Kundgebung mit weiteren Informationen.

Plädoyer für Israel – Warum die Anklagen gegen Israel aus Vorurteilen bestehen, von Alan M. Dershowitz

(th) Die Operation Gegossenens Blei (27.12.2008 – 18.01.2009), in Deutschland unter dem Terminus Gazakrieg rezipiert, zeigt sehr deutlich, welchen Eindruck der noch immer ungelöste Palästinensisch-Israelische Konflikt auf die deutschen Gemüter erweckt.Das Buch - Plädoyer fuer Israel Waren die Ansichten auf den Krieg in der deutschen Medienlandschaft noch durchaus differenziert, veranschaulichte die auf der Straße von (vermeintlichen) Friedensaktivist_innen geübte Kritik ein homogeneres, mitunter von der sozialen Herkunft der Beteiligten unabhängiges, Bild. Demonstrationen und Kundgebungen gegen das „Gaza-Massaker“ fanden in allen mittelgroßen Städten, organisiert von Palästinensischen Gemeinden, Islamischen Vereinen, der deutschen Linken und christlichen Friedenskreisen, statt. Einzelne israelsolidarische Kundgebungen blieben auf die Großstädte Berlin, München und Frankfurt am Main beschränkt. Derlei politische Versammlungen und Reaktionen der staatlichen Ordnungskräfte (Vgl. „Flaggen-Skandal“ in Duisburg) bieten einen tiefen Blick in die politische Kultur Deutschlands.
Eine zentrale Frage in der Diskussion über den Nah-Ost-Konflikt zielt auf die Unterscheidung zwischen Kritik und Ressentiment ab. Welche Aussagen sind im politischen Meinungsstreit, hier geht es um die Regeln des Diskurses, legitim und welche disqualifizieren sich. Was ist konstruktive Kritik und wie wollen wir über den Nah-Ost-Konflikt reden, welcher Duktus soll der verbalen Auseinandersetzung zu Grunde liegen?
Henryk M. Broder grenzt den Begriff Ressentiment deutlich von Vorurteil oder Kritik ab (Vgl. Broder 2008, S. 2). Während letzterer auf das Verhalten des zu kritisierenden Objekts abzielt, stellt das Ressentiment die bloße Existenz jenes in Frage. Die so oft geübte Israelkritik ist also dann legitim, wenn sie nicht die Existenz des jüdischen Staates anzweifelt. Antisemitische Stereotype („Kindermörder Israel, Kindermörder Israel!“) und kruder eliminatorischer Antizionismus und Antisemitismus („Tod, Tod Israel!“) erfüllen offensichtlich nicht die Kriterien, die an eine konstruktive Kritik israelischen Regierungshandeln gestellt werden dürfen.
Die Kritik an dem Staate Israel ist das Thema des Buches „Plädoyer für Israel – Warum die Anklagen gegen Israel aus Vorurteilen bestehen“, verfasst von Alan Dershowitz, promovierter Jurist und amerikanischer Anwalt. Er widmet sich in seinem Buch einem ganz besonderen Fall. Es ist der Fall Israel, ein sich über Jahrzehnte ziehender Prozess von Neuverhandlungen und Revisionen, der die Weltgemeinschaft einlädt, sich in Gerechtigkeit zu üben. Dem Beklagten Israel wird vorgeworfen, sich in zahlreichen Vergehen gegen Völkerrecht, Humanität und Frieden, schuldig gemacht zu haben:

„Israel ist ein imperialistischer Staat.“
„Die Juden haben den Holocaust für sich ausgeschlachtet.“
„Die europäischen Juden, die in Palästina einwanderten, haben Palästinenser verdrängt, die dort seit Jahrhunderten gelebt hatten.“
„Israel hat sich des Völkermords an der palästinensischen Bevölkerung schuldig gemacht.“
„Israel ist ein rassistischer Staat.“
„Es gibt eine moralische Äquivalenz zwischen palästinensischem Terror und der israelischen Reaktion.“

Das Buch erschien in der englischsprachigen Originalfassung „The Case For Israel“ 2003. Dershowitz stand beim Verfassen dieses Buches unter dem Eindruck des Scheiterns der Israelisch-Palästinensischen Friedensverhandlungen von Camp David II vom Juli 2000, bei dem Jassir Arafat ohne Unterbreiten eines Gegenangebots die Verhandlungen abbrach. Dershowitz zitiert dabei im Kapitel 17 „Hat Arafat Baraks und Clintons Vorschlag zurecht abgelehnt?“ affirmativ Prinz Bandar von Saudi-Arabien, der die Ansicht vertritt, Arafats Ablehnung sei „ein Verbrechen gegen die Palästinenser, ja gegen die gesamte Region.“ Die verpasste Chance und die zweite Intifada mit all ihren Opfern auf palästinensischer wie auf israelischer Seite gehe nach Dershowitz auf das Konto von Arafat, den er für jedes verlorene Leben seit den 25.07.2000 persönlich verantwortlich macht.
Seit 2001 erschienen der Nah-Ost-Konflikt und die öffentliche Resonanz, die er erfährt, in einer ganz neuen Qualität. Forderungen nach einem Boykott israelischer Waren, internationale antiisrsraelische Tribunale wie jenes von Durban 2001, und Aufrufe, israelische Wissenschaftler_innen zu boykottieren, zeigen, dass ein großer Teil der Weltöffentlichkeit Israel gegenüber kritisch bisweilen auch feindlich eingestellt ist.
Dershowitz, versuchend seiner Meinung nach überkommenen antiimperialistischen Gewissheiten zur Geschichte Israels den Wind aus den Segeln zu nehmen, behandelt in „Plädoyer für Israel“ insgesamt 31 Vorwürfe, die die Grenzmarke zum Ressentiment zum Teil deutlich überschreiten. Am Anfang eines jeden Kapitels benennt er die Ankläger und stellt in kurzen Zitaten Vorwürfe, denen sich Israel ausgesetzt sieht, dar. Die Ankläger sind bekannte Anti- und Postzionisten: Noam Chomsky, Edward Said, Ilan Pappe, Norman G. Finkelstein. Anschließend legt Dershowitz in einer akribischen Analyse die Unwahrheit jener Aussagen offen und entlarvt sie ihrer moralischen Doppelbödigkeit.
Alan M. DershowitzDie Quintessenz des Buches gipfelt in der Behauptung, „keine andere Nation der Weltgeschichte [war] angesichts vergleichbarer Herausforderungen hinsichtlich der Menschenrechte um einen höheren Standard bemüht, [hat] mehr auf Sicherheit unschuldiger Zivilisten geachtet […] oder [wäre] auch nur bereit gewesen, für den Frieden derart viele Risiken einzugehen.“ (Dershowitz 2005, S. 17)
„Plädoyer für Israel“ ist einerseits eine Sammlung von Argumenten, die oben genannten Vorwürfen entgegen gehalten werden können, andererseits eine essayistische Abhandlung darüber, welche formalen Mindeststandard eine angemessene Israelkritik erfüllen sollte. Im Teil Beweis eines jeden Kapitals begibt sich Dershowitz mit seinen Leserinnen und Lesern auf einen Exkurs in die Vergangenheit, in die Anfänge des Staates Israel und erläutert wichtige Wendepunkt in der Geschichte des jungen jüdischen Staates. In jenen Teilen erinnert „Plädoyer für Israel“ an ein Geschichtsbuch für Interessierte. Er zitiert Führerinnen und Führer der arabischen und israelischen Seite und untermauert seine Sicht der Dinge mit umfangreichem, solide recherchiertem Zahlenmaterial. Zur Unterstützung seiner proisraelischen Argumentation zieht Dershowitz aber keineswegs ausschließlich Zitate von Freundinnen und Freunden Israels heran, sondern antizionistischer und zum Teil antisemitischer arabischer Führer, deren Aussagen einen offenen Einblick in die Motive und Kalküle ihres Handelns geben.
In Einleitung und Schlussfolgerung des Buches stellt Dershowitz seine Überzeugungen von den Mindestanforderungen an eine fundierte Israelkritik dar. Wann ist Kritik am Handeln Israels gerechtfertigt und wann nicht?

„Solange die Kritik fair bleibt, solange sie Vergleiche zieht und nichts aus dem Kontext reißt, sollte man sie fördern, nicht diskreditieren. Aber wenn man die jüdische Nation als einzige für Fehler rüffelt, die bei anderen weitaus stärker ausgeprägt sind, dann überschreitet die Kritik die Trennlinie zwischen akzeptabel und antisemitisch, zwischen Fairniß und Foul.“ (Dershowitz 2005, S. 16)

In Kürze: Wer Kritik an Israel richtet, muss darauf Acht geben, nicht eines der drei D zu erfüllen, Dämonisierung, Delegitimierung und doppelter Standard.
Das Buch ist für Freunde Israels, denen in der einen oder anderen hitzigen Debatte zum Nah-Ost-Konflikt nicht die passenden Argumente einfallen, wie in ihrem Selbstverständnis nach dem Staate Israel gegenüber kritisch eingestellte Personen, die eigene Ansichten einer Nagelprobe unterziehen wollen, gleichermaßen interessant. Dabei wartet Dershowitz stets mit kühnen Behauptungen auf und man darf gespannt sein, wie seine Kontraargumentation um die These „Israel hat das arabische Flüchtlingsproblem geschaffen.“ aussieht. Dabei kontrastiert der erfrischende, polemische Duktus Henryk M. Broders, der das Vorwort verfasst hat, den nüchternen, sachlichen Stil Alan M. Dershowitz’. Er besticht durch juristische Präzision, mit deren Hilfe er verschiedenste Sachverhalte aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet (z.B. Stellt der Abriss von Häusern eine Form von Kollektivstrafe dar?). Mit Motivation, Elan und einer guten Portion Selbstbewusstsein hat Dershowitz „Plädoyer für Israel“ verfasst, ein gelungenes Buch, aber Broder hat Recht:

„Es ist ein Skandal, daß es geschrieben werden mußte, dazu von einem Juden und Amerikaner. Es hätte von einem deutschen Juristen geschrieben werden müssen, einem Völkerrechtler oder einem christlichen Theologen, jedenfalls von einer Autorität aus dem Milieu der Mahner und Beschwörer, die sich an jedem 9. November zu den traditionellen Geisterstunden treffen, um „Nie wieder 33!“ und „Wehret den Anfängen!“ zu rufen.“ (Broder 2005, S. 7)

Der Gazakrieg liegt mittlerweile zwei Monate hinter uns und Mitte April lädt der UN-Menschenrechtsrat, dem 47 Staaten angehören, zur Durban-Folgekonferenz gegen Rassismus. Es ist zu erwarten, dass sie wie Durban I 2001 zu einem antiisraelischen Tribunal degeneriert. Im Vorbereitungskommitee sitzen ausgewiesene Menschenrechtsexperten wie Libyen, Iran, Pakistan und Kuba. Israel als der Jude unter den Staaten (Léon Poliakov) wird an den Pranger gestellt, Tiraden von Ressentiments sollen ihn diskreditieren und die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen nimmt Schaden. „Plädoyer für Israel“ wird auf absehbare Zeit nicht viel von seiner Notwendigkeit eingebüßt haben.

Bibliographische Angaben:
Broder, Henryk M. (2005): Israel – eine Open-End-Session mit ungewissem Ausgang, In: Dershowitz, Alan M. (2005): Plädoyer für Israel. Warum die Anklagen gegen Israel aus Vorurteilen bestehen, Leipzig.
Broder, Henryk M. (2008): Antisemitismus ohne Antisemiten, Stellungsnahme vor dem Innenausschuss des Deutschen Bundestages, heruntergeladen am 15.03.2009, http://www.bundestag.de/ausschuesse/a04/anhoerungen/anhoerung14/
stellungnahmen_sv/Stellungnahme_08.pdf
Dershowitz, Alan M. (2005): Plädoyer für Israel. Warum die Anklagen gegen Israel aus Vorurteilen bestehen, Europa Verlag GmbH Leipzig. Preis: 19,90 Euro
Medick, Veit (2009): Deutschland soll Israel-kritische Uno-Konferenz boykottieren, erschienen am 13.03.2009 auf SPIEGEL-Online, heruntergeladen am 13.03.2009, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,612954,00.html

Gruppe ISKRA und die Linksjugend [’solid]

(iskra) Hiermit erklären wir – die Gruppe ISKRA – unseren offiziellen Austritt aus der Linksjugend [’solid]. Wir begreifen uns nicht mehr wie bisher als Bestandteil des Jugendverbandes und sind demzufolge auch keine Ortsgruppe der Linksjugend in Frankfurt (Oder) mehr.

Hierbei spielen viele politische Unterschiede eine Rolle, die sich zwischen uns und dem Jugendverband herausgebildet haben. Was das für Unterschiede sind, kann jede_r selbst herausfinden, wenn sie_er unsere Inhalte mit denen des Jugendverbandes vergleicht, dazu kommen „kulturelle Unterschiede“, was die politische Praxis anbetrifft sowie die thematische Schwerpunktsetzung.

Wir möchten nicht falsch verstanden werden: Wir halten das Konzept des demokratischen und pluralistischen Jugendverbandes für richtig, die Arbeit wird allerdings erheblich erschwert durch das Scheitern an den eigenen Verbandsansprüchen. Interne Klüngeleien, mangelnder Informationsfluss von oben nach unten und sexistische Denkweisen sind hierbei nur einige Beispiele des Verbandscharakters, die es zu kritisieren gilt.

Dennoch hielten wir an der Arbeit fest und versuchten, vor allem inhaltlich den Verband zu bereichern und in diesem Sinne zu intervenieren. Dies geschah u.a. durch Seminare, Bildungsfahrten und politische Texte. Wir freuen uns, dass so bspw. die Potsdamer Ortsgruppe ebenfalls das Thema DDR-Vergangenheit thematisiert, ähnlich wie wir es ein Jahr zu vor durch unseren Besuch in Hohenschönhausen angeregt haben.

Allerdings haben wir als Gruppe seit langem nicht mehr die Möglichkeiten, um unsere Gestaltungsmöglichkeiten auszubauen. Ein Beispiel soll hier der Rat der Regionen sein, der als Vernetzungsorgan eine wichtige und von uns begrüßenswerte Rolle einnimmt. Es freut uns zu sehen, dass der Rat schon seit vielen Monaten konstant arbeitet.
Dennoch konnten wir nie an einem Treffen teilnehmen, da unsere zeitlichen und personellen Ressourcen erschöpft sind.

Wir als Gruppe sind entgegen unserer Darstellung kein Haufen von jungen Menschen, die sich lediglich in Frankfurt (Oder) engagieren. Wir sind mittlerweile verstreut und haben der Stadt zum großen Teil den Rücken zu gekehrt. Allerdings nicht nur der Stadt, sondern auch dem Land. Wir sind verstreut in Deutschland, Polen und Israel.

Vor Ort konnten wir deshalb keine Aktivitäten mehr entwickeln und Teile des Jugendverbandes fingen damit an, die Möglichkeiten auszuloten, eine neue Ortsgruppe der Linksjugend [’solid] in Frankfurt (Oder) zu gründen.

Dies ist der zweite und zugleich der Hauptgrund, weshalb wir unseren Austritt erklären. Wir sind in der Stadt nicht weiter aktiv und sind bestrebt, klare Verhältnisse zu schaffen, die eine eventuelle Gründung einer neuen Ortsgruppe die Orientierung erleichtert (hinsichtlich zum Verhältnis zur lokalen Partei Die Linke. und der Inanspruchnahme von Ressourcen usw. usf.).

Die Mitglieder unserer Gruppe, die zugleich Mitglieder der Linksjugend [’solid] sind, werden dies auch bleiben, um auch weiterhin den Verband je nach persönlichen Möglichkeiten mitzugestalten. Auch werden wir als Gruppe ISKRA versuchen, die Arbeit des LAK Shalom Brandenburg und des BAK Shalom inhaltlich und personell zu unterstützen. Ebenfalls werden wir zukünftig eine Zusammenarbeit mit jenen Teilen des Jugendverbandes nicht per se ausschließen, wenn politische Inhalte und Ziele mit unseren als Gruppe und internen Mitgliedermeinungen vereinbar sind. Dies betrifft besonders zukünftige Projekte zum Thema Antisexismus, Queer, Lookism innerhalb des Brandenburger Landesverbands.

Wie geht es nun mit uns als Gruppe ISKRA weiter? Dies ist auch uns noch nicht vollkommen klar, aber wir versuchen die Emanzipation von räumlicher Politik und den persönlichen Abstand innerhalb der Gruppe als Chance zu begreifen, um uns in aller erster Linie intern inhaltlich zu bereichern, Erfahrungen an den unterschiedlichen Orten zu sammeln und sich neu zu orientieren. Wie das in „handfeste“ Politik übergeht, wird sich zeigen.

Sicher ist jedoch, dass wir weiterhin Texte, Berichte und Terminhinweise veröffentlichen und verbreiten wollen.

Zum Ende noch die Standartwünsche; alles Gute und Spaß an der Politik, nehmt eure eigenen Ansprüche ernst und überprüft sie stets. Interessierte an Mitwirkung in unserer Gruppe können sich weiterhin melden, das trifft selbstverständlich auch auf politische Gruppen zu, die mit uns zusammenarbeiten wollen.

„… Bomber Harris und die Flut!“

(iskra) Die Gruppe ISKRA unterstützt den Aufruf sowie die Gegenaktivitäten zum Nazi-Aufmarsch und den geschichtsrevisionistischen bürgerlichen Gedenktheater in Dresden am 13. & 14. Februar. So heißt es im Aufruf u.a.:

Dresden „Es gibt keinen vernünftigen Grund, am 13. Februar um getötete Deutsche zu trauern. Das, was am 13. Februar alljährlich geschieht, ist keine unpolitische „Erinnerungsarbeit“, sondern ein kollektives Ritual. Gedenken kann und muss man dem mit der Bombardierung verbundenen Tod und Leid der wirklichen Opfer: der Zwangsarbeiter_innen, der Jüdinnen und Juden, aber auch der Kinder. Sie alle werden zwar oft für die Rechtfertigung des Gedenkspektakels missbraucht, aber um sie geht es im Gedenken überhaupt nicht. Die Gemeinsamkeit aller bunten und abstrusen Geschichtsverzerrungen zeigt sich darin, dass für den 13. Februar 1945 eine im Kern unschuldige und unbeteiligte, wenn nicht gar widerständische deutsche (und natürlich erwachsene) Zivilbevölkerung konstruiert wird, mit der die eigene Identifikation möglich ist. Zentral für diese Identifikation ist die Ausschaltung aller Reflexion und Bewusstseinsanstrengung; die organisierte Gedenk-Show bewegt sich vollständig auf der Ebene von unmittelbaren Affekten. Abstrakt betrachtet wird der „Kontext“, bestehend aus den deutschen Verbrechen; doch gerade wie sie in einer mythologischen Ausdrucksweise einfach benennbar sind, entziehen sie sich der realen Vorstellungskraft der Zuhörer_innen, werden entwirklicht. Der obligatorische Absatz zur „Vorgeschichte“ erfüllt in der pathetischen Gedenkrede die Aufgabe des notwendigen Spannungsbogens für den eigentlichen Höhepunkt, der sich auf der rein emotionalen Ebene bewegt: die falsche Identifikation mit der individuellen Erlebnis- und Leidensgeschichte. Hier erst kommen die vorher ausgeblendeten Deutschen als Individuen ins Spiel: als individuelle „Opfer“. Ihre dramatischen Zeitzeugnisse sind für den „gesunden Menschenverstand“ der Trauerbürger_innen, die genau eine solche emotionale Show erwarten, leicht greifbar. In der Ausschaltung jeder geschichtlichen Reflexion wird das Gedenken zur billigen Propaganda-Kundgebung. Wollte man der tatsächlichen Opfer gedenken, so müsste mit jedem positiven Bezug, jeder Identifikation mit den für den Nationalsozialismus verantwortlichen Deutschen gebrochen werden. Gegen das eigene falsche Bedürfnis nach Empathie angesichts der nicht zu leugnenden Leiden der Deutschen ist die aus dem Begriff des geschichtlichen Zusammenhangs entspringende Kälte des Verstandes notwendig; nur sie kann die ungebrochene Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus bewahren. An keinem Punkt des Dresdner Gedenkspektakels und des zugehörigen Diskurses findet der Bruch mit dem falschen Bedürfnis nach Einfühlung und Identifikation statt. Jeder am 13. Februar verlesene dramatische Zeitzeug_innenbericht von „deutschen Opfern“ ist ein handfestes Stück Geschichtsrevisionismus. “

Zum Weiterlesen:

Aufruf: Keine Versöhnung mit Deutschland. Deutsche Täter_innen sind keine Opfer. Naziaufmärsche verhindern! Aufruf zu antifaschistischen Aktionen am 13. und 14. Februar 2009 in Dresden.

„Ich will den Kapitalismus lieben, aber ich schaffe es einfach nicht.“

(iskra) Im August vergangenen Jahres organisierte die Gruppe ISKRA ein Seminar unter dem Namen „Stadt, Land, Fluß… – Visionen für ein schönes Leben am Arsch der Welt“ zum Thema Gentrification. An die Problematik führte uns Katalin Gennburg (ehemalige Bundessprecherin der Linksjugend [’solid] und nun Frauenbeauftragte an der TU Berlin) heran. Im Nachhinein erhielten wir viele Anfragen, ob es eine Art Auswertung, Mitschnitt oder ähnliches gebe. Die Referentin hat daher folgenden Text für die ISRKA verfasst, den wir nun an dieser Stelle veröffentlichen wollen:

Seit inzwischen fast zwanzig Jahren sind wir bundesdeutsch vereinigt. „Wiedervereinigt“ rufen nun diejenigen, die in diesem geschichtspolitischen Kraftakt die Almosen des Westens gegenüber dem Osten gewürdigt sehen wollen.
So sei es. In der Tat sind wir inzwischen insofern wiedervereinigt, dass sich Armut nicht mehr nur in Sachsen-Anhalt findet, sondern inzwischen auch in Hessen, Schleswig-Holstein und selbst in Bayern. Auch deshalb verläuft die Grenze zwischen arm und reich nicht mehr nur entlang des ehemaligen Mauerstreifens.

Doch ist das den Bundesbürger_innen auch bewusst? Dass sich 21% der Bundesbürger_innen die Mauer zurück wünschen, gehört genau zu diesem Sachverhalt. So hat sich vor allem eine Enttäuschung in den peripheren Regionen Ostdeutschlands breitgemacht. Die versprochenen „blühenden Landschaften“ sind als Lüge enttarnt und Hoffnungen auf Wohlstand und Glückseligkeit zerschellten mit der Erkenntnis über die Ungerechtigkeit der bundesdeutschen Realpolitik. Da hätten nicht wenige nun doch gerne auf die D-Mark verzichtet? Verwundern kann das nicht. So floss die geliebte D-Mark für Ossis abseits der Groß- und Kreisstädte ab spätestens 1992 ohnehin oftmals nur durch das Arbeitsamt. Wer nicht wegging aus Uckermark, Lausitz, Vogtland oder dem „Chemiedreieck“, wurde Zeuge der stetig weiter verblühenden Landschaften. Junge Hochqualifizierte gingen in den Westen. Zurück blieben vor allem Alte, Kranke, Nazis und die Ausweglosigkeit, die alle verband. Wer sich heute in ehemaligen Industriestädten umsieht, findet Trostlosigkeit, sagenhafte Filmkulissen, leer stehende Plattenbauten und die Spuren des Untergangs der Industrialisierung. Diese wiederum werden von nicht wenigen Soziolog_innen beleuchtet. So bezeugt auch Wolfgang Kil in seinem 2004 erschienenen Buch „Luxus der Leere“ den Untergang des Industriezeitalters und appelliert ohne Scheu an einen gesunden Menschenverstand: „Auch wenn anderswo in Europa, ja selbst in anderen Regionen Deutschlands, klassische Industriearbeit noch immer die ökonomischen wie die alltagskulturellen Strukturen bestimmt- es wird höchste Zeit den „Industrialismus“ als ein historisches Phänomen zu begreifen, das nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende kennt!“

Unerschütterlich schildert Kil das, was den Ossis spätestens 1990 flöten ging und was den Wessis nun so schmerzlich abhanden kommt: die Industrialisierung. Das Leben ist kein Ponyhof und „Deutschland ist kein Freizeitpark“, wie Helmut Kohl einmal beipflichtete. Jawoll. Aber wer verrät diese Wahrheit beispielsweise den Bewohner_innen des Universums Volkswagen im Lebensraum Wolfsburg, wo ohne Staatssozialismus trotzdem immer Sozialismus herrschte??! Vor noch einem Monat war die Angst groß, Volkswagen würde nun auch bald beerdigt sein. Das hatte niemand vermutet? Auch Volkswagen wird wohl kaum die Deindustrialisierung und die Finanzkrise zugleich unbeschadet überstehen. Ohne Schadenfreude sei hier nur gemahnt, wer es jetzt nicht rafft, ist selber schuld!

Die bundesdeutsche Politik ihrerseits rafft es jedenfalls nicht. Mit Hartz IV und den folgenden Verschärfungen wurden diejenigen, die ohnehin schon von Wiedervereinigung und Deindustrialisierung gebeutelt waren, vollends versklavt. Residenzpflicht galt und gilt nun nicht mehr nur für unerwünschte Asylbewerber_innen – Gleichberechtigung immerhin an dieser Stelle. Inzwischen werden alle Menschen, die sich auf bundesdeutschem Boden befinden an jene Standorte verbannt, die noch ein letztes Arbeitsplätzchen herzugeben haben. Fordern und Fördern heißt die Maxime, nach der bundesdeutsche Sklav_innen je nach Bedarf von Standort zu Standort umgesiedelt werden können. Jenachdem an welchem Standort sich der Frühling je nach Standortvorteil gerade aufhält. Ein Glück sagen manche. Es könnte schlimmer sein. Ja, schlimmer geht immer! Weltweit ziehen täglich Milliarden von Menschen wie moderne Nomaden der Arbeit hinterher. Im internationalen Kontext wird die sich zuspitzende Situation noch viel deutlicher.

Städte werden immer größer. Nach Großstädten folgten Megacities und demnächst bekommt Tokio den Status einer Hypercity. Was von außen wie ein spannendes Universum aussieht, ist innerhalb geprägt von Ausbeutung und Knechtschaft. Kaum ein Mensch kann diesen Monsterstädten noch entkommen, da nur dort die Arbeit das Geld verspricht. Aber fast niemand kann gut genug in diesen Monsterstädten leben. Erst recht nicht, wenn die Mieten ins Unermessliche steigen und chinesische Wanderarbeiter in Shanghai deshalb in Kabinen von Internetcafe´s übernachten. Im Vergleich dazu sind bei den aktuellen Wirtschaftsprognosen für die Bundesrepublik im kommenden Jahr 2009 die kreativen Spielräume für eine allumfassend aktivierende Arbeitsmarktpolitik in der Tat noch nicht ausgenutzt. Schon gar nicht, wenn es im Rest der Welt doch alles noch viel schlimmer ist… Ostern kommt bestimmt und die Überraschungen der Sachzwänge garantiert auch. Spätestens seit dem Crash der Weltwirtschaft und der Insolvenz Islands gibt es kaum noch was zu lachen. Amerikas Autoindustrie bettelt um Almosen während Opel und Porsche die Bundesregierung in Atem halten, Siemens baut ab, Manager werden entlassen und die Kauflust der Bundesbürger_innen sinkt nach wie vor. Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen dürften wohl kaum jene berührt haben, die in Bochum noch um das letzte Callcenter bangen oder sich in Frankfurt/Oder schon auf das Nächste freuen. Arbeitslosigkeit und die Erfahrung gesellschaftlich ausgeschlossen zu sein, bleibt sowohl in ländlichen Regionen als auch anderswo kaum noch jemandem erspart. Vielmehr noch ist sie an der Tagesordnung. Die Stadt-Land-Kontraste gleichen sich damit bestenfalls an. Ausgeschlossen zu sein, das ist schon lange kein Merkmal von Ländlichkeit mehr. Vielmehr noch entsteht ein Paradox der Ausgeschlossenheit trotz Urbanität. Glücklich schätzt sich, wer in Mecklenburg noch eine Kuh melken darf, anstatt in Hamburg Altona täglich bei der Agentur für Arbeit vorstellig werden zu müssen, ohne ausreichend Kleingeld für die Metro.

Was genau möchte die Autorin uns nun eigentlich sagen?
Es geht darum, Kapitalismuskritik konkret zu machen und die unendlich praktischen Auswirkungen dieser unmenschlichen Politik auch außerhalb der linksradikalen Kleingruppendiskurse aufzuzeigen. Antikapitalismus ist gerade mächtig en Vogue. Wie schön meinen manche. Zeit für die Revolution?! Ich meine, dass neben antikapitalistischer Rhetorik und Revolutionsromantik auch Pragmatik angesagt ist.

Der Hauptgrund hierfür liegt in der unendlichen Pragmatik kapitalistischer Realität. Diese möchte ich an einem ausführlichen Beispiel darstellen, welches sich von der bisherigen Argumentation etwas abhebt. Hierbei soll deutlich werden, in welche Widersprüche sich die linken Diskurse bereits auf lokaler Ebene verstricken, im Streiten für eine bessere Welt. Betrachten wir beispielsweise den seit Jahren anhaltenden Plattenrückbau in Wohngebieten. Als Projektionsfläche postmodernen Widerstands und Antiprivatisierungskampfes spiegelt sich hierin die Ironie der Ansprüche an linke Realpolitik vielfältig wieder. Was dabei vor Ort passiert, kann verkürzt ungefähr so dargestellt werden: Stellen wir uns eine Musterstadt vor. Hier herrscht hohe Arbeitslosigkeit, Menschen wandern ab, Wohnungen stehen leer und die Lebensqualität sinkt, weshalb auch die Mieten sinken. Menschen mit Fantasie und Lust am Aufbruch fordern: Abriss!

Es wird also abgerissen, weshalb weniger Wohnungen leer stehen, die Mieten wieder steigen und das Wohngebiet dennoch nicht mehr das ist, was es einmal war.
Die Schlussfolgerung daraus scheint simpel: Nieder mit der Abrissbirne!
Was jedoch nicht aufgeht, ist die Rechnung, dass mit Wohnraumerhalt die Mieten verbraucherfreundlich bleiben und nicht steigen. Denn mit anhaltendem Wegzug passiert vor allem eines, was im Kapitalismus niemals passieren darf. Die Nachfrage sinkt und die Kosten steigen. So steigen in den letzten zehn Jahren vor allem die Instandhaltungskosten der Kanalisationssysteme in schrumpfenden Städten wie Chemnitz, Frankfurt/Oder und auch Cottbus. Menschen gehen, alte Menschen und Singles bleiben. Der Verbrauch sinkt und die Kanalisationssysteme müssen dennoch instand gehalten werden. Und das auch für dieselbe Größe, unabhängig davon, ob 20.000 oder 20 Einwohner in den Wohnkomplexen leben. Das ist die Crux! Die lässt sich leider überhaupt gar nicht damit lösen, die Abrissbirne aufzuhalten und antikapitalistische Parolen an Hauswände zu sprühen. Auch hilft es wenig, alle KommunalpolitikerInnen zum Teufel zu jagen, denn mit dem sind die Meisten bereits ohnehin im Geschäft. So schrieb jüngst auch Die Welt dazu:

„Strukturschwache Regionen wie das Ruhrgebiet und Teile des Ostens können ihre Ausgaben nicht durch Einnahmen decken, in Nordrhein-Westfalen sind das von den 427 etwa 190 Kommunen. 113 stehen unter Nothaushaltsrecht und werden somit vom Land zwangsverwaltet. Von den 23 kreisfreien Städten im Land haben nur Düsseldorf, Dortmund und Münster keine Schwierigkeiten.“ Der Städte- und Gemeindetag spricht von einer chronischen Unterfinanzierung der Kommunen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein nicht unwesentlicher Grund ist die komplizierte Wohnungsmarktpolitik, die sich mit anhaltendem Bevölkerungsrückgang nur zunehmend komplizierter gestaltet. Die verzweifelte Hilfesuche raus aus der Schuldenfalle endet deshalb nicht selten in den Händen derjenigen, die ohnehin vom Bankrott leben. Die Privatwirtschaft und die Banken.

Nicht von irgendwoher kommt die Methode der öffentlich-privaten Partnerschaften (Public private partnership). Damit halten sich inzwischen viele Kommunen über Wasser um beispielsweise Schulen, Straßen oder wie Rostock den umstrittenen Warnow-Tunnel zu finanzieren. Diese Methode der Finanzierung öffentlicher Aufgaben steht zu Recht in der Kritik, da diese Finanzierungsmethoden die Städte und Gemeinden ans Messer der lebenslangen Verschuldung gegenüber der Privatwirtschaft liefern. Ideologiekritik scheint da nicht wirklich hilfreich. In der Tat mischt sich hier Anspruch und Wirklichkeit. Die Guten werden zu den Bösen und am Ende sind alle böse. So ist es letztlich irrelevant, ob eine Stadt ihren Wohnungsbestand verkauft oder instand hält. Gebeutelt sind in jedem Falle die Menschen. Sowohl als auch. Damit schließt sich der Kreis. Denn die Misere mit welcher der Abriss bzw. der Verkauf irgendwann einmal begann, war die Abwanderung von Menschen. Mit den Menschen geht das Geld. So ist das im Kapitalismus. Dirk Schubert, Stadtsoziologe, bezeichnet das „den Kampf um die Köpfe, […] das Wachstum bestimmter Regionen, das bereits heute, mehr noch in absehbarer Zukunft, nur noch im ‚Wettbewerb um Einwohner’ möglich ist; [und] wenn einige – wenige – im Wettbewerb siegen, müssen andere wohl notgedrungen verlieren.“

Der Kampf um die Köpfe findet seit vielen Jahren innerhalb der Auseinandersetzung über Leitbilder, Infrastrukturdebatten und Standortvorteile statt. Um Menschen geht es dabei nur als Arbeitsmaterial und Produktionsbedingungen. Diese Logik beinhaltet jene Sachzwänge, die linke Diskurse immer wieder in Atem halten und die Lager spalten. Hier hilft tatsächlich nur ein Paradigmenwechsel und die entsprechende Portion Ironie, um die herrschende Logik zu karikieren und zu entlarven. Hier kann linke Politik womöglich ansetzen und diese Logik hinterfragen.
Den Luxus von Utopien können und müssen wir uns heute noch mehr als je zuvor leisten. Denn eines ist klar: Das, was jetzt ist, ist schon lange nicht mehr. Die Industrialisierung ist längst vorbei und die Menschen werden nicht in die ihnen zustehende Freiheit entlassen, den gesellschaftlichen Reichtum selbst bestimmt umzuverteilen, mitzuverteilen und daran teilzuhaben.
Das hilft zwar lange nicht gegen Mietkostensteigerungen. Das hilft aber sehr wohl in der Argumentation für eine andere Welt, die in der Unmöglichkeit der jetzt bestehenden Weltordnung ihre theoretische und praktische Möglichkeit findet!

Flagge zeigen!? Zu den Vorfällen auf der Demonstration am 3. Oktober

Israelfahne(iskra) Während der Demonstration am 3. Oktober in Hamburg gegen die deutschen Feierlichkeiten anlässlich des Nationaltages, kam es zu Übergriffen auf israelsolidarische Linke. Konfliktpunkt war das Mitführen einer Israelfahne. Wir – die Gruppe ISKRA – stellen uns gegen ein Verbot von Israelfahnen auf linken Demonstrationen. Israel entstand nicht wegen, sondern trotz der Shoa und dennoch spielen die Menschheitsverbrechen der Deutschen eine zentrale Rolle in der zionistischen Geschichte. Israel ist Schutzraum gegen Antisemitismus, erst recht in seiner totalen Form der Vernichtung. Gerade deshalb muss es möglich sein, Israelflaggen bei Demonstrationen gegen den deutschen Wahn mitzuführen. Daher unterstützen wir den Aufruf „Flagge zeigen!? Zu den Vorfällen auf der Demonstration am 3. Oktober“. Hier ein Auszug:

„Immer wieder erstaunlich ist, dass dieses blau-weiße Stück Stoff solche emotional-aggressiven Reaktionen auslöst. Zwar verurteilen die meisten Anwesenden körperliche Angriffe, aber ebenso das Mitbringen solcher Insignien. Wer jedoch nur die Analyse vom deutschen Staat als einer Nation unter allen anderen als Nation/Nationalstaat zu verurteilenden Gebilden hat, muss logischerweise das Tragen jeglicher Nationalfahnen verurteilen. Solches Agieren zeigt deutlich die Ablehnung gegen den weltweit einzigen Schutzraum vor der weiterhin drohenden Vernichtung für Jüdinnen und Juden. Israels Existenz ist Konsequenz aus der von den Deutschen schon einmal weitgehend umgesetzten Auslöschung. Solidarität mit Israel – mit der effektiven Aufrechterhaltung der notfalls auch militärischen Sicherung des Staates – ist deshalb eine Bedingung jeglicher Emanzipation von den herrschenden Verhältnissen. Israel ist zwar nicht der Kommunismus. Wie auch immer der Weg zur communistischen Weltgesellschaft aussehen wird, klar ist: Israel sollte der letzte Staat sein, dessen Staatsgrenzen fallen – eben da die Bedrohung durch den antisemitischen Wahn auch dort noch immer wütet, wo für „etwas Besseres als die Nation“ demonstriert wird.“

Zum Weiterlesen:

Erklärung: Flagge zeigen!? Zu den Vorfällen auf der Demonstration am 3. Oktober
BAK Shalom: Übergriff auf israelsolidarische Gruppe bei Hamburger Demonstration am 03.10.2008

Ein Datum – Viele Gedanken

(NY) Der 9. November 1938 war der Anfang der massenhaften Vernichtung der Juden. Dieser Tag war ein Vorgeschmack auf das, was der vernichtende Antisemitismus in seiner Totalität für 6 Millionen Menschen bedeutete. Hierbei muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass das größte Verbrechen der Menschheit nicht von einer Ideologie begangen wurde, sondern von Menschen, die zum Teil heute noch am Leben sind.

Genauso ist heute noch Antisemitismus vorhanden, selbstverständlich ist er es: Denn er passt sich den gesellschaftlichen Verhältnissen an, bspw. durch Formen des Antizionismus oder in Gestalt des „sekundären Antisemitismus“, als Antisemitismus nicht trotz, sondern wegen Auschwitz. Doch obwohl es diese Hartnäckigkeit gibt, ist es wichtig, gerade deshalb tagtäglich gegen ihn zu kämpfen.

Die Frage, wie man den unterschiedlichsten Formen des Antisemitismus entgegen treten kann, ist berechtigt und eine Lösung bzw. ein Lösungsansatz ist bitter nötig. Allerdings gibt es kein Rezept gegen diese regressive Ideologie. „Der Faschismus kam und ging. Der Sowjetkommunismus kam und ging. Der Antisemitismus kam und blieb.“, so beschreibt Oberrabbiner Dr. Jonathan Sacks diese traurige Realität.

Es soll allerdings nicht der Verdacht entstehen, man müsse mit Antisemitismus aufgrund seiner Hartnäckigkeit leben. Genau das Gegenteil ist der Fall, es muss mit allen möglichen Mitteln versucht werden, sich ihm entgegen zu stellen. Aber dennoch darf nicht vergessen werden, welche Bedeutung der Schutz und die Solidarität mit jüdischen Institutionen hat. Dies ist ebenfalls eine sehr wichtige Aufgabe.

Israel spielt hierbei eine herausragende Rolle in der Thematik. Es braucht nicht erklärt werden, warum dies so ist, und doch muss auch hier festgestellt werden, dass der Antizionismus – ähnlich wie der Antisemitismus – eine Gefahr für Millionen von Juden mit sich bringt.

Die angeschnittenen Themen und die aufgeworfene Frage der Antisemitismusbekämpfung, eingebettet in der Bedeutung der Novemberpogrome, führen zu einem Punkt: Setzt euch mit den Themen auseinander, z.b. In Israel selbst, sei es in Form eines Besuchs, eines Austausches, eines Studiums, eines Praktikums oder eines Freiwilligendienstes.

Wer in Israel ist, lernt in erster Linie nicht nur etwas über das Land und seine Probleme. Man lernt vor allem etwas über Deutschland und die deutsche Geschichte. Dort trifft man eine Vielzahl von Holocaust-Überlebenden und Flüchtlingen, die die mutige Antwort in Form von Israel auf den Antisemitismus gegeben haben. Es ist das Gegenteil von dem, was in Deutschland nach 1945 passiert ist. Statt Geschichtsrevisionismus oder Vergleichen mit anderen Verbrechen, gehen diese Menschen direkt mit den Deutschen und ihren Taten vor Gericht. Es ist das Ergebnis, um sich gegen diese Ideologie des Antisemitismus in allen Gestalten zu wehren, die besonders in Deutschland die abscheulichste Form angenommen hat: Auschwitz.

Wer sich also mit den Menschen in Israel und mit dem Land selbst solidarisiert, kann ein wenig selbst dazu beitragen, den Deutschen den Spiegel der Geschichte vor das Gesicht zu halten.

In Erinnerung an die Opfer der Reichspogromnacht und allen Opfern des Antisemitismus.

Zum Weiterlesen:

BAK Shalom: 70 Jahre nach der Reichspogromnacht. Kein Vergessen! Kein Verzeihen!
Jungdemokrat_innen / Junge Linke Brandenburg: „I remember, remember the 9th of november…“

Veranstaltungshinweis: Herbstcamp ’08

(iskra) Du bist jung, alternativ, und weißt nicht, wie Du deine Herbstferien verbringen sollst? Mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen bist Du nicht zufrieden, weißt aber auch nicht, was Du da tun könntest, und bist auf der Suche nach Leuten, denen es ähnlich geht?

Herbstcamp 08

Auf dem Antifaschistischen Herbstcamp ‘08 vom 19. bis 25. Oktober kannst Du mit Gleichgesinnten alternative Lebenskonzepte und eigenen politische Strategien diskutieren sowie deine Interessen vertiefen. Im Grünen werden Seminare zu wichtigen gesellschaftlichen Problemen und Theorien angeboten. Außerdem wird es auch die Möglichkeit geben, Sport zu treiben und sich künstlerisch zu betätigen.

Interessiert? Dann melde dich und deine Freunde jetzt an. Es wird von uns eine Anmeldegebühr von 10 € erhoben, die ihr an uns schickt. Diese werden Dir nach der Teilnahme zurückerstattet.
Vegetarische Vollverpflegung und Unterkunft in Bungalows sind kostenlos.

“Veranstaltet von Utopia e.V. und der autonomen antifa frankfurt (oder) [aaffo]
Gefördert vom Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ – LAP Frankfurt (Oder)”

Weitere Infos, den Seminarplan sowie ein Anmeldeformular findet Ihr hier.

Psychologie & Antisemitismus

Updade: Leider müssen wir mitteilen, dass das für Samstag, den 27.9.2008, geplante Seminar „Psychologie und Antisemitismus“ leider verschoben werden muss. Natürlich informieren wir Euch schnellstmöglich über einen neuen Termin.
Wir bitten alle Interessierten um Entschuldigung. Der Dokumentation halber bleibt die Seminarbeschreibung aber weiterhin auf unserem Blog.

Wer sich der Frage „Was ist Antisemitismus?“ stellt, stößt unweigerlich auf die Bestimmung des Antisemitismus als ideologische und reaktionäre Welterklärung einer undurchsichtigen Gesellschaft. Der Antisemitismus nimmt die Welt als von fremden und bösen Mächten gelenkt war. Wie kommen Menschen darauf, sich die Welt antisemitisch zu erklären? Wie kommt diese Ideologie in die Köpfe der Menschen? Per Manipulation? Die Psychoanalyse bietet tragfähige Erklärungen antisemitischen Denkens. Sigmund Freuds Bestimmung des bürgerlichen Individuums als Unterworfenes des eigenen Unbewußten ist ein Schlüssel zum Verständnis und zur Kritik des
Antisemitismus. Eine Psychoanalyse des Antisemitismus begreift diesen als eine Folge der undurchschauten Psyche. Nicht nur der Weltenlauf, auch die eigene Seele bleibt unverstanden. Aus der Art, wie sich die Individuen psychisch begründen, resultieren die Mechanismen, die antisemitisches Denken provozieren.

Heißt das, man ist gezwungen antisemitisch zu denken? Natürlich nicht, die kritische Beschäftigung mit Antisemitismus ist der erste Schritt gegen ihn vorzugehen – und dazu laden wir herzlich ein:

27.09.2008 | 11 Uhr
Utopia e.V. | Berliner Straße 24
Frankfurt (Oder)

Ein Seminar vom LAK Shalom Brandenburg, organisiert mit freundlicher Unterstützung der Gruppe ISKRA.


Gruppe ISKRA stellt das Buch Plädoyer für Israel vor