Unsere Rede zur Stolpersteinverlegung « [Gruppe ISKRA] ::: Die Vernichtung des Nazismus mit all seinen Wurzeln ist unsere Losung.

Unsere Rede zur Stolpersteinverlegung

(iskra) Im Folgenden findet sich die Rede, welche die Iskra anlässlich der Verlegung weiterer 10 Stolpersteine in Frankfurt (Oder) gehalten hat. Dies fand an der Bergstraße statt, wo mit fünf Steinen Familie Berlowitz geehrt und betrauert wurde (mehr dazu hier).

Sehr geehrte Damen & Herren,

Es ist nicht mehr rückgängig zu machen, auch an diesem Ort fielen Menschen dem nationalsozialistischen Wahn zum Opfer. Deshalb wird hier ein Stolperstein verlegt und Freude sowie Trauer sind bei dieser Verlegung eng beisammen.

Trauer, weil es abscheulich ist, Menschen wegen ihrer jüdischer Herkunft zu quälen und umzubringen.

Und Freude, weil hier an dieser Stelle ein Weg gegangen wird, um dem Vergessen und Verdrängen Einhalt zu gebieten – und damit den Opfern Respekt zu zollen.

Auf diesen Stolpersteinen sind die Namen von Margarete Berlowitz, geboren 1900 und Max Berlowitz zu finden, er kam 1889 zur Welt. Sie lebten zusammen mit Margaretes Mutter Frida Rau hier in der Bergstraße 17.

In der Schmiedegasse 10 & 11 – heute befinden sich dort die Lenné Passagen – betrieben sie das erste Reformhaus Frankfurts.

1924 kam Eugen zur Welt und 1927 ihr zweiter Sohn Julius.

Über Margarete, ihrer Mutter Frida und ihrem Mann Max ist nur sehr wenig bekannt. Wir wissen aber, dass sie 1942 in das heutige Polen deportiert wurden und sie dort wegen ihrer jüdischen Herkunft umgebracht wurden.

Eugen und Julius hatten das große Glück, die Shoa zu überleben. Beide emigrierten: Eugen nach Schweden; er verstarb 1992, und Julius nach Israel, er lebt heute in Tel Aviv.

Und somit bleibt festzustellen: Es ist bedauernswert, dass wir Zeitzeugen verlieren.
Wir hätten Margarete, ihre Mutter Frida, ihren Mann Max sowie ihren Sohn Eugen sehr gerne kennen gelernt.

Und doch haben wir die Chance, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen, z.B. mit Julius Berlowitz.

So kann Erinnerung am Leben gehalten werden, wie auch durch das Projekt Stolpersteine.

Doch diese Stolpersteine sind nicht nur der Erinnerung halber da. Sie vereinen die Familie wieder an diesem Ort, an dem sie einst getrennt wurde. Und sie ehren nicht nur die Toten, sondern auch Menschen wie Julius Berlowitz, die am Leben sind.

Ein Licht ist zu sehen, denn die Familie ist nun wieder beisammen. Doch auch hier mischt sich ein dunkles Gefühl dazu:

Es hat sich zwar einiges verändert, aber nicht grundsätzlich verbessert. Antisemitismus ist noch immer existent und hat sich lediglich den Gegebenheiten angepasst. Offizielle antisemitische Äußerungen sind nur die Spitze des Eisberges. Antisemitische Ideologiefragmente sind in der Gesellschaft weit verbreitet.

Heute erinnern wir deshalb nicht nur, heute müssen wir die Realität erkennen und alle Kräfte einsetzen, um Antisemitismus zu bekämpfen. Dies bedeutet auch, dem Staate Israel nahe zu sein.

Waren es vor der Staatsgründung diverse jüdische Organisationen, die sich antisemitischen Angriffen ausgesetzt sahen, ist es heute auch der Staat Israel.

Sicher, der Nahostkonflikt ist ein anderes Thema, aber doch muss deutlich sein, dass noch immer genügend antisemitisches Vernichtungspotenzial vorhanden ist.

Es ist nicht mehr rückgängig zu machen, aber es kann vieles getan werden, um jeden weiteren Völkermord zu verhindern.



Gruppe ISKRA stellt das Buch Plädoyer für Israel vor