„Jeder vierte Deutsche sieht Gutes in NS-Zeit“ oder „25% of Germans miss aspects of Nazi rule“ « [Gruppe ISKRA] ::: Die Vernichtung des Nazismus mit all seinen Wurzeln ist unsere Losung.

„Jeder vierte Deutsche sieht Gutes in NS-Zeit“ oder „25% of Germans miss aspects of Nazi rule“

NSDAP-Parteitag(NY) Dass 25% der Deutschen im Nationalsozialismus auch „gute Seiten“ erkennen können, ist ein Zeugnis für sich und doch keine Neuheit. Wiedereinmal sind Autobahn und Familienpolitik die Renner des Dritten Reichs, das zumindest ist laut Forsa-Umfrage (17.10.2007) gängige Meinung in Deutschland. Besonders ist lediglich, dass diese Tatsache nichts Besonderes ist und wohl auch nie war. Das ist auch der Grund, weshalb die schon zur Routine verkommenen mahnenden Stimmen nicht geäußert werden, die Auseinandersetzung mit deutschen Sehnsüchten nach vergangenem Nationalsozialismus nicht in die „Warnung für mehr Wachsamkeit“ gipfelte.
Ob es auch „guten Seiten“ im Nationalsozialismus gegeben habe, lautete die Frage. Doch schon eine solche Fragestellung bildet das Fundament für eine fehlgeleitete Diskussion. Es stimmt, zwischen 1933 bis 1945 wurden tausende Kilometer von Autobahnen gebaut auf denen wir heute fahren. Und wer es nötig hat sich per Arbeitsplatz zu definieren und zu verwirklichen, dürfte sich über den einen oder anderen Job in einer Waffenfabrik gefreut haben – oder wenn das nichts war, dann eben als frischer Soldat oder KZ-Aufseher.

Die Frage ist doch eigentlich, inwiefern der Autobahnbau relevant für die Bewertung des Nationalsozialismus ist, auch um ihn ggf. als „gute Seite“ zu bewerten. Fakt ist nämlich, dass die Autobahn nur Instrument der Kriegsführung war, um Europa zu unterjochen und es vom Judentum zu „befreien“ bzw. – und das trifft es wesentlich besser – dieses zu vernichten. Wer den Autobahnbau losgelöst von dieser Betrachtung bewertet, könnte auch in der Sklaverei etwas Gutes erkennen, denn Sklaven brauchen ja keine Entscheidungen treffen – kann manchmal auch ganz angenehm sein – aber lassen wir den Schwachsinn lieber.
„Ähnliches gilt für die Familienförderung. Die war dazu da, arische Herrenmenschen zu züchten, die später die unterjochten Gebiete in Osteuropa besiedeln sollten. Zwangssterilisationen, Euthanasie, KZ, schließlich der Holocaust – das ist die andere Seite dieses Rassenwahns. Sie gehört dazu, wenn man heute die NS-Familienpolitik bewertet“, so in einem Artikel vom stern. Allerdings heißt es weiter „lange hat niemand Interesse daran gehabt zu erklären, wie das Regime seine Bürger gekauft hat: Es gab neue Sozialleistungen […] oder steuerfreie Nacht- und Sonntagszuschläge.“ Da wären wir schon wieder bei den „guten Seiten“, welche nach dieser Bewertung deshalb existierten, um die Deutschen zu „kaufen“. Auch dieser Aspekt ist ein Schuss in den Ofen, die Deutschen brauchten nach Hitlers Machtübernahme nicht mehr gekauft werden. Bis zum vernichtenden Antisemitismus waren die Deutschen bereit, immerhin waren die Juden „unser Unglück“, „Feinde deutschen Wesens“ oder wie es Lagarde feststellte: „Je kräftiger deutsches Wesen wird, desto gewisser ist es mit Israel vorbei.“ Arier-Paragraphen waren in nicht wenigen Organisation ohnehin gängige Praxis noch bevor sie per Gesetz erlassen wurden. Wozu also noch Deutsche „kaufen“, wenn das antisemitische Weltbild bis ins Detail ausgeprägt war? Und überhaupt: Hat nicht eigentlich Goebbels als Propagandaminister letzte Zweifel ausgeräumt?

Antisemitismus„‘Nation‘ ist immer eine ‚vorgestellte Gemeinschaft-in-der-Geschichte‘. Nach 1945 steht deshalb jeder, der sich in Deutschland mit dem ‚deutschen Volk‘, der ‚deutschen Nation‘ identifizieren will, vor dem Problem, dass von diesem Land das Menschheitsverbrechen der Vernichtung der europäischen Juden begangen wurde.“ so Thomas Haury passend. Mit Hilfe der 25-prozentigen Zustimmung wird nichts anderes betrieben als Relativierung der menschenverachtenden Verbrechen, um endlich wieder stolz auf Deutschland sein zu können. „Hilter war ja gar nicht so schlecht“, deshalb das Gefasel von den Autobahnen oder der vermeintlich sozialen Familienpolitik. Kombiniert wird das am Besten mit dem Verweis auf andere Nationen, auf Gulags, Indianervertreibung, Massenmord an Armeniern oder wenn das alles nichts nützt, reden wir vom Holocaust an den Robben, am Urwald usw. etc. pp. Deutsche Geschichtsverarbeitung kann so kreativ sein.

Gerade deshalb sind 25% doch eher erfreulich. Immerhin, welcher klassische Antisemit gibt heute noch ehrlich zu einer zu sein? Nach Auschwitz geht das nicht mehr, deshalb sucht man sich andere Mittel: Antizionismus, Verschwörungstheorien oder Heuschrecken, wahlweise auch gleich Aliens. Nur wirkliche Deppen meinen ehrlich, dass sie „gute Seiten“ erkennen – am Nationalsozialismus. Und genau deshalb ist die Frage, ob es „gute Seiten“ gab, vollkommen irrelevant. Das Ergebnis hängt viel mehr von der Art und Weise der Fragestellung ab, was eine Emnid-Umfrage des Jahres 2001 beweist. Damals hieß die These „Der Nationalsozialismus hatte gute und schlechte Zeiten“, was auf eine Zustimmung von 46% der Beteiligten stieß und das ekelhafte Gesicht der deutschen Geschichtsbewältigung noch deutlicher zeigt.

Statt wie die Rheinische Post mit der Überschrift „Jeder vierte Deutsche sieht Gutes in NS-Zeit“ zu titeln, trifft es die Jerusalem Post besser, weil eben eindeutiger. Dort heißt es: „25% of Germans miss aspects of Nazi rule“.
Die Sehnsucht nach einem starken Führer, Antisemitismus, Alltagsrassismus, nationale Gleichschaltung, ein regressiver Antikapitalismus, das alles ist in Deutschland normal und wird vermisst, bewusst oder unterbewusst – ein Zeugnis für sich und doch keine Neuheit.



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